Kid Feral – 2019 – Review
KID FERAL schlittern mit ihrer Platte „2019“ ziemlich ungebremst herein. Die Schweden sehen sich selbst irgendwo zwischen BIRDS IN ROW, PORTRAYAL OF GUILT und TOUCHÉ AMORÉ. Joa, den schnell geraspelten Core mit brutalen Spitzen kann man schon dort verorten, aber was den Sound der Band eigentlich ausmacht, ist die wilde Jagd nach der Melodie. Davon gibt es viele in den hektisch zuckenden Songs, allerdings wechseln sie sich so schnell ab, dass man kaum Zusammenhänge erkennen kann. Einzelne Parts überlagern sich, nehmen sich die Luft zum Atmen und ersticken so manchen Kniff im Keim.

Die wilde Jagd nach der Melodie
Was „2019“ von KID FERAL trotzdem mehr als erträglich und sogar gut macht, ist die bemerkenswerte Fingerfertigkeit. Und es sind die Momente, in denen sich dann doch mal ein harmonischer Part freistrampelt („Substance“, „Memories From A Stamp Collection“). Wobei KID FERAL solche Zustände nie lange gelten lassen und schnell wieder in den Chaosmodus schalten. Wahllos wirken die Kompositionen dabei nicht, man merkt deutlich, dass die Band selbst ein Muster im Kopf hat und eine bestimmte Intention verfolgt.
Beim ersten Durchlauf erschließt sich das allerdings nicht unbedingt. Die brachiale Freizügigkeit und komplette Ignoranz gegenüber nachvollziehbaren Strukturen haben aber etwas Vitalisierendes. „Medieval Poetry“ vermittelt eine enorme Dringlichkeit; die schnellen Wechsel zwischen wilden Gitarren und Drums scheinen uns etwas sagen zu wollen.
Acht Songs Overkill im Chaosmodus
Je weniger man von KID FERAL versteht, desto mehr Spaß macht „2019“. Es fühlt sich an, als wäre man der Band ins Netz gegangen und hätte für die Dauer der Platte keine Chance mehr, zu entkommen. Der immens expressive Gesangsstil von Gitarrist Vile Hartman trägt „2019“ durch die wildesten Gefilde. Wenn in „Pothead Archaeologist“ gefühlt alles von den Instrumenten kurz und klein geschlagen wird, hält er mit seinen akzentuierten Schreien eine gewisse Struktur zusammen.
Viel länger als acht Songs würde man diesen Overkill vermutlich auch nicht ertragen. Aber auf diese Spiellänge geht man danach fast gestärkt wieder heraus: KID FERAL haben uns gerade eine Achterbahn zwischen die Ohren gebaut und sind einmal komplett durchgerauscht.
Dauer: 13:26
Label: Backpack Records
VÖ: 29.05.2026
Tracklist „2019“ von KID FERAL
Funeral In A Grocery Store
Stop ‚N Go
Substance
Medieval Poetry
Pothead Archaeologist
Memories From A Stamp Collection
I Want To Be Your Canopy
Puddle Jumper
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