Kind Kaputt – Ins Blau – Review
Es wäre der einstigen Post-Hardcore-Band KIND KAPUTT sehr zu wünschen, dass sie mit ihrer dritten Platte „Ins Blau“ endlich die Aufmerksamkeit bekommen, die ihnen zusteht. Der Albumtitel arbeitet mit offenen Bedeutungsräumen und symbolischer Polysemie, ebenso verhält es sich mit Musik und Texten. KIND KAPUTT teilen uns ihre Werte und Meinungen kund, erzwingen aber keine Haltung. Das Trio gönnt sich neben Post-Hardcore noch klare Alternativerock-Elemente und einprägsame Hooks mit Pop-Appeal. Auf den ersten Blick scheint das griffig, aber ebenso klar äußert die Band ihre Sicht der Dinge und belässt die metaphorischen Steinchen im Getriebe.

So eng verzahnt wie bisher nie
Bei „Ins Blau“ von KIND KAPUTT sind Inhalte und Töne so eng verzahnt wie bisher nie. Der angepasste Schreibprozess tat der Platte verdammt gut und hat echte Einheiten hervorgebracht. Gitarrist und Sänger Johannes Prautzsch vermittelt eine wohltuende Präsenz, man kann sich gut mit ihm verbinden. Sein essentieller Vortrag fordert subtil dazu auf, nicht nur an der Seitenlinie des Spielfelds des Lebens rumzutrödeln, sondern aktiv einzugreifen. Das Risiko ist häufig im Vergleich zu Wirkung oder Lebenszeit gar nicht so hoch, wie angenommen. Gitarrist Konstantin Cajkin hat das Album produziert – immer ein sattes Plus, wenn jemand aus der Band hier die Finger im Spiel hat. Er setzt die Gewichtung genau richtig: In den entscheidenden Momenten dröhnt der Bass, während die Gitarren im perfekt abgestimmten Maß über der Basis zu schweben scheinen. Die Platte klingt dadurch wirklich großartig.
Über Konformismus und Pseudoexpertise
Das zu NDW tendierende „Wie geht denn das“ entlarvt uns alle als diejenigen, die nur so tun, als hätten sie Ahnung, während in Wahrheit ein kollektives Nachahmen herrscht, eine Mischung aus Konformismus und Pseudoexpertise. Der Song wirkt fast spaßig, doch der Stakkato-Refrain treibt den eigentlichen Wahnsinn richtig auf die Spitze. „Ins Blau“ ist wohl der behutsamste Aufruf zum Mutigsein. „Fernglas“ motiviert, den Blick nach vorne zu richten, weiterzumachen und auf das Gute zu hoffen. Bass, Drums und Gitarre treiben den Song gemeinschaftlich nach vorn, während der Falsettgesang die leise anklopfenden, stechenden Zweifel spürbar macht. „Nie was ist, immer was noch kommt. Es geht nicht schlimmer als das Fürimmer, lass es los„, das ist die Line, von der an die Band am Schluss den Song auffächert und Harmonie strömen lässt. Ein herrlicher Moment voller Hoffnung und Weite.
Humanismus in Klang: Gemeinsam anders sein
Ein Song wie „Angst“, der sagt, was ist, und nicht, was sein soll, hebt sich angenehm von den üblichen Liedern ab und wirkt gerade deshalb so ergreifend – KIND KAPUTT gibt keine Ratschläge, sondern lässt die Gefühle einfach stehen. „Angst“ beschönigt nichts, atmet ruhig und ruft dazu auf, zusammenzuhalten. Reduzierte Gitarren und ein anschwellender Refrain transportieren ein Gefühl, das jeder kennt, und zeigen einmal mehr, wie souverän KIND KAPUTT Emotionen in Klang übersetzt. Dass die Band durchaus zu bissigeren Szenen und schärferen Takten fähig ist, zeigt der anschließende gelungene Clash mit HAXAN030.
Wenn wir alle anders sind, dann sind wir wieder gleich. So die einfachste Zusammenfassung von Humanismus. „Ins Blau“ ist eine bittersüße Ode an das Leben.
Dauer: 35:28
Label: Uncle M Music / Believe / Integral)
VÖ: 23.01.2026
Tracklist „Ins Blau“ von KIND KAPUTT
Teilnahmeurkunde
Aufgeben
Ins Blau
Wie Geht Denn Das
Wie Man Lebt
Fernglas
Teufel
Angst
Gleich feat. HAXAN030
SoWeit
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