Lest die Review zu "Fenian" von KNEECAP bei krachfink.de

Kneecap – Fenian – Review

Mit „Fenian“ legt das Rap-Punk-Trio KNEECAP (Mo Chara, Móglaí Bap und DJ Próvaí) aus Belfast ein Album vor, das ebenso kompromisslos ist wie erwartet. Weder musikalisch noch inhaltlich lassen sich die Drei an die Kette legen. Produzent Dan Carey erweitert den ohnehin nervös treibenden und stilistisch verspielten Hip-Hop-Sound um zahlreiche überraschende Elemente.

Inhaltlich wirkt die Band gestärkt durch den Ausgang der Anklage gegen Mo Chara, dem vorgeworfen wurde, er habe bei einem Konzert eine Hisbollah-Flagge geschwenkt. Die Anklage wurde inzwischen fallengelassen. Mit „Liars Tale“ widmen KNEECAP dem britischen Premierminister nicht nur einen eigenen Song, sondern positionieren sich auch noch deutlicher als zuvor im Kontext Palästinas.

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KNEECAP 2026, © Tom Beard

Klang gewordene Haltung

„Fenian“ beleuchtet die Solidarität zwischen Irland und dem Westjordanland und greift diese Thematik auch im abschließenden „Irish Goodbye“ auf. Diese ernsten Inhalte korrespondieren mit hitzigem Acid-House und dem pulsierenden Bass des Titelsongs sowie der insgesamt hektisch nach vorne drängenden Energie der Platte. Dazwischen finden sich die typischen Tracks über Drogenkonsum, die jedoch präziser und reflektierter wirken als auf früheren Veröffentlichungen.

Stilbruch mit Ansage

Die Mischung aus neuen Einflüssen und Gästen wie Fawzi, KAE TEMPEST und Radie Peat macht „Fenian“ zu einer ausgereifteren Arbeit, die nicht einfach vorbeirauscht, sondern hängen bleibt. „Cocaine Hill“ täuscht einen in Richtung RAGE AGAINST THE MACHINE schielenden Sound, der aus kreativer Präzision sofort eine explosive, politisch aufgeladene Energie entfacht. Dieser kippt dann aber unerwartet in einen Desert Noir Moment. Die Wüste als Ort, in dem Regeln verschwimmen und niemand greifbar ist, wird dabei passend inszeniert.

Im Dauerstrom

Beide Ebenen, instrumental und inhaltlich, hinterlassen Eindruck und bewegen sich klar über Mittelmaß. Das Album spielt mit Tempo und Stilbrüchen, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen. Je öfter „Fenian“ läuft, desto mehr Details treten hervor. Kleine Verzögerungen, Sound Gimmicks und zunächst überhörte Synth Schnipsel wie in „Cold At The Top“. Dass KNEECAP dieses Spektrum und die Featureliste tragen können, zeigt, dass sie es mit „Fenian“ ernst meinen. Gleichzeitig behalten sie ihre typisch irische Schnoddrigkeit und Kompromisslosigkeit bei, was klar auf der Habenseite steht. KNEECAP zeigen dabei ein beeindruckendes Gespür dafür, sofort eine Strömung in Gang zu setzen und diese Spannung über die gesamte Spielzeit zu halten.

Dauer: 31:12
Label: Heavenly Recordings
VÖ: 01.05.2026

Tracklist „Fenian“ von KNEECAP
Éire go Deo
Smugglers & Scholars
Carnival
Palestine
Liars Tale
FENIAN
Big Bad Mo
Headcase
An Ra
Cold at the Top
Occupied 6
Gael Phonics
Cocaine
Irish Goodbye

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