Lest die Review zu "No One Was Driving The Car" von LA DISPUTE bei krachfink.de

La Dispute – No One Was Driving The Car – Review

„No One Was Driving The Car“, der Albumtitel der neusten Platte der amerikanischen Post-Hardcore-Band LA DISPUTE, ist für viele Ausdruck von absolutem Kontrollverlust – und für andere eine verheißungsvolle Zukunftsvision. Inspiriert zum Konzept und Titel des Albums wurde die Band um Jordan Dreyer von dem Film „Thriller First Reformed“ von Paul Schrader aus dem Jahr 2017, in dem es tatsächlich um autonomes Fahren geht. Zum ersten Mal produzierten LA DISPUTE ein Album komplett in Eigenregie, das passt zum Kern der Geschichte.

Es geht um Kontrollverlust, um Freiheit und Unsicherheiten. Die Musik ist, selbst für LA-DISPUTE-Verhältnisse, reduziert. Im Zentrum stehen die niemals enden wollenden Geschichten und detaillierten Beschreibungen von Dreyer. Immer wieder unterbrochen von Ausbrüchen – musikalisch und bezogen auf die Intonation – gibt es viele Widerhaken auf „No One Was Driving The Car“.

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LA DISPUTE, Fotocredit: Martin, 2025

Atmosphäre statt Analyse

Mit hypnotischer Wirkung zieht „No One Was Driving The Car“ die Hörer*innen sofort in seinen Bann. LA DISPUTE sind Meister des Sogs. Mit minimalen Mitteln erzeugt die Band in „The Field“ eine beeindruckende Präsenz, lässt sanfte Gitarrentöne gegen vehemente Bassmauern branden und platziert das Gefühl vor dem Verstand. Selbst bei besten Englischkenntnissen kann man die komplexen Texte nicht sofort erfassen – eindeutig aber vorher bereits von der Atmosphäre betört sein. Schwere Riffs, die eher zu MASTODON denn zu LA DISPUTE passen, sorgen für neue Dominanz.

Zwischen Akzeptanz und Schmerz

Hypnotische Weite und grenzenlose Gedanken – das sind Bilder, die LA DISPUTE in nahezu alle Songs gießen. Irgendwo zwischen Akzeptanz und Melancholie stechen sie mit „I Dreamt of a Room With All My Friends I Could Not Get In“ oder „Sibling Fistfight at Mom’s Fiftieth / The Un‐Sound“ dorthin, wo es wehtut. „It’s fine, it’s fine!“ skandiert Dreyer beinahe trotzig im letztgenannten Song. Glaubst du’s wirklich selbst? Die Gitarren nehmen seine Gesangslinie auf, duplizieren sie, lassen sie widerhallen, wie um die Aussage zu verstärken. Der Lauf der Zeit ist tatsächlich beruhigend und beängstigend zugleich, je nachdem, wo man selbst steht.

Energie, Eigenständigkeit und Präzision

Man fragt sich, woher LA DISPUTE die Ideen und die Kraft für ihren ganz speziellen Sound schöpfen. Fakt ist: Die Band schlägt einen einzigartigen Ton an – und niemand kann überprüfen, ob Dreyer wirklich neue Gesangslinien platziert. Gerade in wuchtigeren, schnelleren Songs wie „Steve“ und „Man With Hands And Ankles Bound“ merkt man, dass LA DISPUTE besonders sind. Statt blindem Gebolze oder theatralisch aufgeblasenem Drama gibt es atmende Kompositionen – und am Ende steht immer eine Aussage. Besonders Drummer Brad Vander Lugt setzt starke Akzente, weiß genau, wann er nur flankieren und wann mit Tricks sublimieren kann („Top-Sellers Banquet“).

Ein Album für Eingeweihte

LA DISPUTE sind sicherlich keine Band, die man erst nach einigen Platten versteht oder von der man plötzlich überzeugt werden kann. Man liebt sie – oder rafft nichts. Für alle Fans ist „No One Was Driving The Car“ eine weitere Perle in der tollen Diskografie. Zwischen Akzeptanz und Schmerz, Melancholie und eruptiven Ausbrüchen beweisen sie einmal mehr, dass Post-Hardcore nicht laut sein muss, um tief zu treffen.  

Dauer: 64:04
Label: Epitaph Records
VÖ: 05.09.2025

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