Lest die Review zu "Ritmo Lento" von LEATHERETTE bei krachfink.de

Leatherette – Ritmo Lento – Review

Die italienische Post-Punk-Band LEATHERETTE steigt ohne große Umwege in ihr neues Album „Ritmo Lento“ ein. Ohne viel Tamtam befinden wir uns mitten im lässig watenden Sog, werden vom Refrain umschwirrt und von Bläsern geneckt. Irgendwo zwischen FONTAINES D.C. und THE GARDEN wirbeln Laubbläsern LEATHERETTE alles durcheinander. Anfänge wirken wie Enden und umgekehrt; ohne auffällig verquer zu wirken, machen LEATHERETTE bei genauem Hinhören vieles anders.

In vielerlei Hinsicht besser als die Großen, auf jeden Fall interessant, aber eben nicht wirklich hittauglich. Wer also gerne abseits der Wege schnüffelt und grundsätzlich nichts Durchgekautes möchte, ist bei „Ritmo Lento“ mal wieder gut aufgehoben.

Tempo kontra Titel – Wenn Ritmo Lento alles andere als langsam ist

„Ritmo Lento“ bedeutet langsames Tempo, und selbstverständlich halten sich LEATHERETTE nicht an ihre eigene titelgebende Maxime. In den meisten Midtempo-Sequenzen kontern sie sich selbst mit aufwühlenden Gitarrenexplosionen oder kernig britisch anmutenden Chants, etwa in „Lovers Drifters Foreigners“. Italien ist leider kein prickelndes Herkunftsland, wenn es um diese Art von Musik geht. Schade eigentlich, denn LEATHERETTE muten eher wie aufgemotzte Briten („You Never Go Outside“) oder fein gekämmte Australier an.

Und sie haben von den Besten gelernt, wie man abgeklärt singt oder einen Bass angenehm slappen lässt. Den Dampf haben LEATHERETTE trotzdem abgelassen; man spürt es unterschwellig. Ausschlaggebend dafür waren lange Tourblöcke, die bereichernd, aber eben auch erschöpfend waren.

Melancholie trifft auf kontrolliertes Chaos

Irgendwie ist der Albumtitel also doch wegweisend für LEATHERETTEs neue Platte „Ritmo Lento“. Er bezieht sich eher auf die Pausen im richtigen Moment, die guten Übergänge und die Ruhe der Bandmitglieder, sich erst einmal wertfrei allen Ideen hinzugeben. Nicht gehetzt und nicht nach Genrevorschriften gestreckt — auch das darf man als gemäßigtes Tempo bezeichnen. „It doesn’t get any better than this“, so heißt es im stilvoll übersteuerten „Anyway“.

Das muss nicht stimmen und ist kein in den Weg geschlagener Stopp im Feld der Weiterentwicklung. Aber für den Moment haben LEATHERETTE die Kompositionen so stehen lassen. „Panic Attack“ kommt also entgegen der üblichen Erwartung gemächlich daher: der Bass übernimmt das Stolpern des Herzens, die Bläser das Entgleiten der Beherrschung, und die sich leicht stapelnden Singstimmen transportieren die Überforderung.

Auch mit „Ritmo Lento“ ist LEATHERETTE eine Platte gelungen, die zwischen Melancholie und entwaffnender Albernheit changiert. Es lohnt sich, auf die Feinheiten zu achten und zu entdecken, wie gekonnt hier alles ineinandergreift und wie unaufgeregt und scheinbar mühelos LEATHERETTE uns das präsentiert.

Dauer: 32:00
Label: Bronson Recordings
VÖ: 28.11.2025

Tracks „Ritmo Lento“ von LEATHERETTE
Magic Things
Lovers Drifters Foreigners
Hey There
Anyway
Panic Attack
You Never Go Outside
Sorry
Cold Hands
Ritmo Lento
New Bay
Situationship
Get Stuck

Artikel, die Dir gefallen könnten:
STILL TALK – Year Of The Cat
DIE NERVEN – Live im Elfenbeinturm
PABST – This Is Normal Now
HUMANS AS ORNAMENTS – Flowers On Display
LEATHERETTE – Small Talk
BRUTUS – Live in Brussels 
STATUES – Dopamine
VIAGRA BOYS – viagr aboys
Podcast Folge 101 mit HEISSKALT über „Vom Tun und Lassen“
BILLY NOMATES – Metalhorse
SLOE PAUL – Searching/Finding
HIGH VIS – Guided Tour
BAR ITALIA – The Tw*ts
PISSED JEANS – Half Divorced
FACS – Still Life In Decay
MODECENTER – Peace (EP)

LEATHERETTE bei Instagram
LEATHERETTE bei Facebook

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert