Leif Randt – Schimmernder Dunst über CobyCounty – Review

Es ist schwer in Worte zu fassen, was die besondere Faszination ist, die den neuen Roman “Schimmernder Dunst über CobyCounty” von Leif Randt ausmacht. Wir befinden uns an der Seite des jungen Wim Endersson, der in dem Ferienort CobyCounty objektiv betrachtet ein sorgenfreies Leben führen könnte. Umgeben von kreativen Menschen und finanziell abgefedert, nennt er einen mit Sonnenschein und Meer gesegneten Ort sein Zuhause.

Im Frühling beginnen die ersten Touristen an den Küstenort zu strömen, denn Coby County ist ein wahr gewordener Sehnsuchtsorts. Bis, ja bis was eigentlich? Leif Randt führt die Figuren an kleine und große Katastrophen heran, die sich bedrohlich aufbauen und doch verpuffen. Der Umgang mit und die Beschreibung dieser, sind irritierend. Der im Titel geführte Dunst steht also exemplarisch für die Blase, in der die Stadt selbst zu schweben scheint.

Skeptisch und auf der Hut

Ohne dass Leif Randt in “Schimmernder Dunst über CobyCounty” wirklich fantastisch werden muss, ist man der beschriebenen Welt gegenüber skeptisch. Irgendwann nimmt man jedes noch so kleine Detail wahr und lauert auf einen Fehler im Glücksmosaik, sucht nach irgendeinem Hinweis darauf, dass die Fiktion böse auffliegt und die Katastrophen ihren unweigerlichen Lauf nehmen.

Es sind typische Hürden, die unser Protagonist Wim nehmen muss. Liebeskummer, eine angespannte Beziehung zu seinem Vater, der Mutter und ihrem neuen Lebensgefährten, Entwicklung im Beruf, ein Freund auf Selbstfindung und einiges Unvorhersehbares. Die Art, wie vermeintlich abgeklärt er darauf reagiert und die schon fast nebensächlich degradierenden Schilderungen von eigentlichen schönen und froh machenden Details, sind verwirrend.

Wie eine lähmende Bewusstlosigkeit

Leif Randt lässt Wim in “Schimmernder Dunst über CobyCounty” alles in eine schimmernde Bedeutungslosigkeit erleben, diese fesselt und ernüchtert zugleich. Rein vom Inhalt der Geschichte, ist der Roman nicht bemerkenswert, aber die Art zu schreiben ist fesselnd. Und natürlich steht alles symbolisch für etwas. Die Haltung Wims zu seinen Klienten, die er als Literaturagent seinen Klienten entgegenbringt oder sein Umgang mit Körperlichkeit. Und selbst die ins Ungleichgewicht geratende Schwebebahn oder der nahende Sturm sind Metaphern für die Welt, die wir uns ganz ungeniert schön ignorieren.

Seiten: 208
Verlag: KiWi-Taschenbuch
ISBN-10: 978-3-462-00293-5
VÖ: 10.02.2022

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