Lionheart – Valley Of Death II – Review
Ganz ohne Klopfklopf steht die kanadische Hardcore-Band LIONHEART mit ihrem neuen Album „Valley Of Death II“ mitten im Raum. Gut gemeinte Kopfnüsse aus dem Hinterhalt und ein knallhart auf den Punkt geprügelter Takt sorgen für einen gewaltigen Dopaminschub. Irgendwo zwischen Wut und Tatendrang setzen LIONHEART Kräfte frei, die sich beim Zuhören – und live sowieso – sofort übertragen und stark potenzieren.
Gitarren wie knapp neben einem aufschlagende Trümmer oder eine Stunde auf der Baustelle ohne Ohrschützer, ein extrem eskalierender Sänger und ein von Bass und Drums gebildetes stabiles Rückgrat, auf dem sich alles andere mühelos entfalten kann. LIONHEART eröffnen damit einen wahren Hexenkessel, in dem man sich austoben und maximal abreagieren kann.
Brachialpoesie
Brutal sind LIONHEART auf „Valley Of Death II“ nicht, weder in ihrer Sprache noch in ihren Metaphern. Natürlich kann man nach einem halben Song alle Vokabeln im Hardcore-Bingo abhaken, aber vulgär oder aggressiv ist die Band nie. Power schöpfen sie aus der Gemeinschaft, verstärkenden Refrains und einem beneidenswert guten Taktgefühl. LIONHEART wissen, wann der Song kurz abhängen muss und wie man eine amtliche Zerstörung vom Ausmaß einer Supernova erzeugt.
Für „No Peace“ samplen sie „I Can’t Stand The Rain“ (im Original von ANN PEEBLES, bekannter ist die Version von TINA TURNER) und beweisen damit, dass sie feinfühliger sind, als man auf den ersten Blick annehmen würde. Das Fenster als Verbindung zwischen innerem Rückzugsraum und einer feindlichen Außenwelt. LIONHEART transformieren die Zeile zu einem Symbol für eine zyklische, niemals endende Bedrohung, die keinen Frieden zulässt.
Die Härte liegt im Ausdruck, nicht im Anliegen.
LIONHEART wären nicht LIONHEART, wenn es auf „Valley Of Death II“ nicht immer wieder Grund zum freundlichen Gerumpel gäbe. „The Dogs“ hyperventiliert vom Fleck weg, pumpt sich mit Metal und bedrohlichem Sing-a-Long auf, sodass sich der radikal tanzbare Beat danach besonders befreiend anfühlt. Das Ding rennt viel zu schnell ins Finale, übergibt aber an den ebenso kratzbürstigen Bass, der das folgende „In Love With The Pain“ trägt. Hier ist die Instrumentierung etwas dichter, und die Drums setzen deutliche Marker.
LIONHEART stellen Fragen zu Liebe, Vergebung, Glaube und Leidenschaft. Was musikalisch brachial wirkt, entpuppt sich inhaltlich als radikal ehrlich: ein ungefilterter Zugriff auf zutiefst menschliche Themen. Grob in der Form, sensibel im Kern – Hardcore als Vehikel für Verletzlichkeit.
Dauer: 23:18
Label: Arising Empire
VÖ: 09.01.2025
Tracklist „Valley Of Death II“ von LIONHEART
Bulletproof
Chewing Through The Leash ft Kubl
Ice Cold
Valley of Death II
No Peace
Roll Call
Salt The Earth
Release The Dogs
In Love With The Pain
Death Grip ft A Day To Remember
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