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Lutz van der Horst – Konfetti-Blues: Ein Liebesroman – Review

Das Buch „Konfetti-Blues: Ein Liebesroman“ des Comedians, Autors und Podcasters Lutz van der Horst fühlt sich gut an. Einmal im wörtlichen Sinne, denn der Buchdeckel ist vollständig reliefiert und haptisch erfahrbar, aber auch inhaltlich. Eigentlich handelt es sich um einen verzögerten Coming-of-Age-Roman, über einen, der diese Phase schon längst durchschritten haben sollte. Sympathische Menschen gerne beim Scheitern zu begleiten, liegt ja leider in der Natur des Menschen, selbst wenn man sich ein Happy End wünscht.

Scheitern mit Sympathiebonus

Was das erste Buch des einstigen Blasehasen bei TV Total aber besonders warm und charmant macht, ist die Tatsache, dass hier ein mächtiger Anteil biografischer Bezüge enthalten ist. Nun ist Lutz van der Horst nicht gerade geschwätzig, und seine TV-Formate beschäftigen sich weniger mit ihm selbst; im Podcast „Uns fragt ja keiner“, den er gemeinsam mit Ilka Bessin macht, sieht das allerdings anders aus. Auch die Tatsache, dass er nach eigenen Aussagen zwanzig Jahre an dem Buch gearbeitet hat, das ungefähr in diesem Zeitraum spielt, fügt angenehme nostalgische und melancholische Züge hinzu.

Witze aus dem Kabuff über dem Pornokino

„Konfetti-Blues: Ein Liebesroman“ von Lutz van der Horst handelt von Max, einem erfolglosen Comedyautor, der über einem Pornokino in einem kleinen Kabuff schlechte Wortwitze für eine repetitive Clipshow schreibt. Auch privat läuft es bei ihm erwartungsgemäß eher semigut. Trotz seiner großen, gut kuratierten und auch abseitigen Musik- und Filmsammlung ist er auf der Suche nach Nähe und Liebe. Seine Wahrnehmung ist allerdings getrübt, denn bevor es zum Feiern geht, wirft er sich mit seinem Kumpel Markus Pep ein und zieht Koks.

Trotzdem läuft ihm Yuma über den Weg, und zwischen den beiden bahnt sich eine Art Romanze an. Seine Bisexualität behielt Markus bisher für sich, was für Gefühlschaos bei Menschen sorgte, die ihm eigentlich nah sind. Wir hangeln uns von Kapitel zu Kapitel und durchlaufen mit ihm seine zaghaften Versuche, emotional für Ordnung zu sorgen und auch beruflich weiterzukommen. Schade nur, dass seine Witze niemand wirklich spaßig findet: Welche Zutat Humor besonders gut macht, wird ihm aber am Ende doch noch klar.

Humor als offene Baustelle

„Konfetti-Blues: Ein Liebesroman“ von Lutz van der Horst wirkt wie ein ungeschöntes Tagebuch des Autors. Selbst wenn der Roman nicht in der Gegenwart spielt, greift er doch viele aktuelle Fragestellungen auf. Gerade die Tatsache, dass er so verspätet erscheint, fügt der gesellschaftlichen Debatte unausgesprochen einiges hinzu. Die Bezeichnung als Liebesroman ist nicht ganz passgenau, als durchweg bumsfidel fröhlich geht das Werk sicher nicht durch. Es ist besonders interessant für alle, die sich der Zwischentöne und des Wechsels der Emotionen bewusst sind.

Seiten: 288
Verlag: Droemer HC
ISBN-10: 342656145X
ISBN-13: 978-3426561454
VÖ: 03.11.2025

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