Maebe – Brain Paint – Review
Wer findet, dass man gute Instrumentalmusik daran erkennt, dass man die Abwesenheit von Gesang komplett vergisst, ist mit dem neuen Album „Brain Paint“ von MAEBE gut bedient. Der Prog-/Math-Rock der Band aus Bristol macht so satt, dass man sich Refrain und Gesang unbewusst dazudenkt. Technisch wieder extrem anspruchsvoll, aber auf so angenehme Art auch verspielt und einfallsreich, dass man von den rhythmischen Verschachtelungen nicht erschlagen, sondern beflügelt wird.
Die Gitarre nimmt ihren Job als melodische Leitstimme sehr ernst und sorgt für Wiedererkennungs-Hooks, die man nicht so schnell vergisst. „Brain Paint“ ist ein passender Titel, denn nach einem Durchlauf von MAEBE fühlt es sich an, als sei irgendetwas im Oberstübchen ordentlich durchgepustet und freigespielt worden.

International gezwirbelte Kompositionen
Die gezwirbelten Kompositionen auf „Brain Paint“ von MAEBE kann man nicht auf Anhieb einer Szene oder einem Land zuordnen. Alles wirkt international, vielfältig inspiriert und komplett abseits jeder Norm. Die flinken Songs werden von einer Energie befeuert, die ihresgleichen sucht („God Wit“), oft durchkreuzt von auf Speed gehypten Videospielmelodien. Die etwas gemäßigten Songs nehmen oft cineastische Ausmaße an, fächern im Kopf fantastische Welten und Szenarien auf. MAEBE wissen sehr wohl um die Macht der Töne, und auch wenn der überwiegende Teil aus dem Bauch heraus gespielt wirkt, ist klar: MAEBE wissen, was sie tun.
MAEBE jonglieren mit unserer Wahrnehmung
Sie haben in Harmonielehre aufgepasst, mit Physik und Akustik jonglieren sie unsere Wahrnehmung, wie es ihnen beliebt. Die Töne scheinen sich zu entfernen, schwankenden Druck zu haben und in Hall aufzugehen. All das macht „Brain Paint“ zwar weniger zugänglich, sorgt aber für somatische Reaktionen und mächtige Dopaminausschüttungen.
„Contemporary Music Studies“ für daheim
„Downer“ steht exemplarisch für die Vorgehensweise von MAEBE. Ganz sacht und doch in jeder Sekunde detailverliebt eskaliert die Band ein in sich geschlossenes Abenteuer mit crescendoartiger Spannungssteigerung, aus Tönen gebaut, das beinahe wie ein Kurzfilm nachhallt. „Auroraboros“ wird dann seiner im Titel angedeuteten Ewigkeit gerecht, scheint Erschaffung und Zerstörung zugleich und wirkt wie ein musikalisches Perpetuum mobile.
MAEBE haben in „Brain Paint“, ohne formelhaft oder verkrampft zu wirken, sowieso einen Mini-Kurs zum Thema „Contemporary Music Studies“ versteckt. Auch als Laie und ohne Skills oder Fachbegriffe macht es mega Spaß zuzuhören und diese körperliche Musikwirkung zu genießen.
Dauer: 50:59
Label: Ripcord Records
VÖ: 22.05.2026
Tracklists „Brain Paint“ von MAEBE
Brain Paint
Do Not Take Risks
lower case song title
Sadstorm
Ephemeral
Young Lungs
Dripping Colour
God Wit
Downer
Auroraborus
Who Do You Think You Aren’t
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