Malheur – Lava – Review
Hannes, Merten und Jens sind MALHEUR aus Münster. Ihr wuchtiger Post-Hardcore, den das Trio auf ihre erste Platte „Lava“ gepackt hat, befasst sich wahrlich nicht mit Missgeschicken, sondern packt die großen Themen an. Die Perspektive, die die Band dabei einnimmt, ist besonders. Nicht mehr getrieben vom Tatendrang der Jugend und schon mit beiden Beinen auf dem Boden stehend, stellen sie sich andere Fragen zur Zukunft. Die, die man sich stellt, wenn etwas unwiederbringlich verloren ging („Frevel) und es darum geht, die richtigen Dinge zu erhalten und wertzuschätzen. Dementsprechend sind die Kompositionen auf „Lava“ nicht stringent, sondern lebendig und durchzogen von tief bewegenden Spitzen und emotionalen Brüchen.

Worum lohnt es sich zu kämpfen?
Wer sich in der deutschen Post-Hardcore-Szene auskennt, wird sofort erkennen, welche Präferenzen MALHEUR haben. Das sind Verneigungen vor Bands wie FJØRT, HEISSKALT oder MARATHONMANN, die man registriert. Schon nach dem ersten Durchlauf ist man allerdings begeistert von dem, was MALHEUR dann als ihr ganz eigenes Ding daraus machen. Eigenständigkeit statt Epigonentum. Der Opener „Lava“ startet euphorisch und kraftvoll, ein ironischer Abgesang auf die vermeintlich woken Kids, denen echtes Engagement mal ganz gut tun würde.
Ohne pädagogischen Anstrich fräsen uns MALHEUR mit ihren wuchtigen Gitarren und dem dynamischen Takt die Dringlichkeit ins Hirn. Verdammt gut zusammen mit Martin Reckfort von SHORELINE aufgenommen sowie von Konstantin Cajkin von KIND KAPUTT gemixt und gemastert, klingt „Lava“ mitnichten wie ein rumpeliges Debüt.
MALHEUR steigen auf ganz hohem Niveau ein
Sänger und Bassist Merten trägt alle Songs und findet für jede Atmosphäre den angemessenen Ton. Aufgrund der Verfügbarkeit und des fehlenden Kontexts über die Diskografien der Bands vergisst man beinahe, dass sich die ersten Platten mittlerweile gut etablierter Bands sicherlich nicht diese Qualität aufweisen, wie es „Lava“ von MALHEUR tut. Im herrlich schwebenden „Bonmot“ führt uns die Band durch eine bewegende Hymne über den Konflikt zwischen den Generationen. Den Knoten löst die Band über starke Post-Hardcore-Gitarren mit Shoegaze-Glanz, gebettet auf einem stabilen Teppich aus Bass und Drums. Ihre Songs walzt die Band nicht unnötig aus, kappt genau da, wo die Frage am meisten drängt und wo der Schmerz am tiefsten sitzt.
„Ich kenne deine Schmerzen beim Namen“
„Krösus“ dreht den Spieß um: Ohne den Gesang zu negieren, machen die Instrumente die eigentliche Arbeit und erzählen auf einer Subebene ihre ganz eigene Geschichte, setzen neue Akzente. Das ist schon bemerkenswert stark für eine Band auf diesem Niveau – vielversprechend für alle, die sich gerne von Musik anfassen lassen. Sätze wie „Hast du noch etwas Zeit mitgebracht“ entfalten im Setting von MALHEUR eine ganz andere, bedrückende Wirkung und sind eine unmissverständliche Anspielung auf die Vergänglichkeit.
Der Albumtitel „Lava“ mag profan wirken, er fasst allerdings alles zusammen, was MALHEUR hier kollektiv in Töne übertragen haben: eine Warnung vor drohender Zerstörung, ein Hinweis auf unterdrückte Emotionen, eine Anspielung auf die Kraft der Natur und ein Symbol für Leidenschaft und Liebe – wohl die stärkste emotionale Energie.
Dauer: 22:09
Label: Eigenproduktion
VÖ: 06.02.2026
Tracklist „Lava“ von MALHEUR
Lava
Bonmot
Kroesus
Frevel
Sorry, muss off
Visagen
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