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Martina Bogdahn – Mirabellentage – Review

Mit ihrem zweiten Roman „Mirabellentage“ legt die Autorin und Fotografin Martina Bogdahn mit Sicherheit eines der warmherzigsten Bücher des Jahres vor. Obwohl wir mit dem Tod des Pfarrers Josef von Blumfeld, also einem traurigen Ereignis, starten, geben einem die Beschreibungen des beschaulichen Dorflebens sofort ein gutes Gefühl. Dreh und Angelpunkt der Geschichte ist Anna Nass, die Haushälterin des Pfarrers, die sich plötzlich mit den neuen Begebenheiten arrangieren muss.

Der neue Pfarrer Fridtjof kommt direkt aus Rom und muss eingeführt werden, noch dazu versteht niemand seinen friesischen Dialekt. Auch ihre eigene Position sortiert sich neu, und dann hat sie ihrem Kindheitsfreund, dem Pfarrer Josef, auch noch vor seinem Tod ein besonderes Versprechen gegeben: Aktuell lagert seine Asche in einer Keksdose in der Küche, die soll im Meer verstreut werden, das hat Anna allerdings noch nie mit eigenen Augen gesehen.

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Martina Bogdahn, © Beppo Minx

Feiner Humor und tolle Beobachtungsgabe

„Mirabellentage“ von Martina Bogdahn entfaltet sofort eine entspannende Wirkung. Während Anna ihr Leben neu ordnet, nimmt sie uns mit in die Vergangenheit. Vollkommen unpathetisch und ohne bemühten Humor bringt sie uns die Historie des Ortes näher und stellt uns die unterschiedlichen Dorfbewohner mit ihrem Werdegang vor. Neben vielem Schmunzeln sorgen vor allem die beiläufig eingestreuten Sätze immer wieder für lautes Lachen. Martina Bogdahn überrascht in ihrem zweiten Roman mit einem besonders feinen Humor und einer ausgeprägten Beobachtungsgabe. Man bekommt ein gutes Gespür für die Gemeinschaft, für die Verbundenheit mit der Heimat, im Spannungsfeld mit dem Wunsch, die Welt kennenzulernen. Jede heitere Episode trägt einen ernsten Kern in sich und erzählt von den Fallstricken im vermeintlichen Idyll sowie den überraschenden Wegen, die ein Leben nehmen kann.

Glücklich, mit neuen Möglichkeiten

Anna Nass steht stellvertretend für eine Frau, die sich still einbringt, fest verankert ist und ihre Position gleichzeitig über und unterschätzt. Martina Bogdahn hat sie stark geschrieben und beschreibt sie als grundsätzlich glücklich. Es gefällt ihr, gebraucht zu werden, fest integriert zu sein und ihren Platz gefunden zu haben. Gleichzeitig gibt ihr der Tod des Pfarrers die Möglichkeit zu reflektieren, welche Möglichkeiten ihr denn noch offenstehen. „Mirabellentage“ von Martina Bogdahn spielt in Franken, sie macht uns mit typischen Bräuchen und Wörtern wie „Stadtwurst“ bekannt.

Das Leben am Schopf packen

„Mirabellentage“ von Martina Bogdahn ist kein lautes Buch, aber auch kein verhuschtes. Anna packt das Leben am Schopf, schildert die Begebenheiten niemals einseitig und leitet uns sanft durch das bunte Dorfleben. Das Finale ist verhältnismäßig kurz und spiegelt somit den Kern des Buches wider: Es geht um den Weg und weniger um das Ziel. Die Bestsellerautorin hat einen riesigen Sprung gemacht, „Mirabellentage“ fesselt und hallt nach.

Seiten: 352
Verlag: Kiepenheuer&Witsch
ISBN-10: 3462013548
ISBN-13: 978-3462013542
VÖ: 16.04.2026

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