Maynard At The Verge of Sth

Maynard – On The Verge Of Sth. – Review#

Als das neue Album der Berliner Rockband MAYNARD namens “On The Verge Of Sth.” zum ersten Mal in der Anlage rotiert, will ich sofort intervenieren. Heee, die machen doch Grunge, das ist gar kein Grunge mehr. Der aktuelle Sound des Trio orientiert sich nämlich eher am Stoner Rock und der Old-school-Attitüde von Bands wie OKTA LOGUE, THE GREAT BEYOND, RIPE AND RUIN oder KADVAR. Besser ist das, denn die Geschichte von Grunge scheint irgendwie auserzählt gewesen zu sein, bevor sie richtig angefangen hatte. Rein handwerklich – furchtbares Wort im Zusammenhang mit Musik, deren Basis die Kreativität ist – sind MAYNARD schon ganz weit vorne. Es gibt einige Schwachstellen, die aber genauso leicht abzuschalten wie zu finden sind. Und unterm Strich überwiegen die positiven Aspekte der Platte, die im  Big Snuff Studio von Richard Behrens aufgenommen wurde.

MAYNARD 2021

Drei sind Power

Bei MAYNARD kommt sofort die Power rüber, die man nur als Trio erzeugen kann. Eine schöne Mischung aus roher Effektivität und gutem Teamwork bestimmt “On The Verge Of Sth.”. Welche Erfahrung die Band jetzt ganz genau verpasst hat, wird im Albumverlauf nicht aufgelöst, aber grundsätzlich stehen hinter jedem Song noch die drei Punkte, die auf Fortsetzung hindeuten. Der Opener “Conversations At The Crossroad” tritt mit seinen breiten Riffs Türen ein, gleiches gilt für “Hell Broke Lucy”, das auch mit Druck auf die Nacken sein Glück versucht.

MAYNARD bieten unterschiedliche Arten von Gesang an, hier kann das Trio aber nicht durchweg überzeugen (“Wipe Out”, “Stabbin’ Back”) bzw. drücken die Instrumente auch so selbstbewusst und stark dagegen, dass es schwerfällt sich dagegen ernsthaft zu behaupten. Grundsätzlich ist diese Abwechslung aber eine gute Idee, den immer nur den gleichen Schuh durchzuziehen, würde schnell zu Langeweile führen. Aber man hört einfach, dass es sich hier nicht um die eigene Muttersprache handelt.

Hier und da bisschen feilen

Wenn die Gitarren sich abkoppeln, ins Zentrum rücken und einfach mal die Muskeln spielen lassen (“Roving Out For Happiness”), sind MAYNARD richtig gut. Die Saitenverantwortlichen wissen ganz genau, was zu tun ist. Herrliche Dynamik entsteht, wenn die Truppe sich dann zur Eskalation, wie bei “Wipe Out”, zusammenfindet. Ein und dasselbe Riff zu schrubben, ist sicher keine Schande. An manchen Stellen setzen MAYNARD die Gangshouts irgendwie zweckentfremdet ein, sodass “On The Verge Of Sth.” auf einmal in eine Art seltsames Crossover abstürzt. Und erst beim Ohrwurmschmeichler “Reciprocity” fällt auf, dass MAYNARD bis hierhin quasi fast ohne handelsübliche Wiederhaken in den Refrains ausgekommen sind. Daran zu arbeiten, ohne sich anzubiedern, könnte das Material noch besser zugänglich machen.

Auf dem richtigen Weg

Letztendlich muss man einfach bedenken, wer hier eine Platte veröffentlicht und sich einfach noch einen richtig samtenen Sound in den ruhigen Momenten und richtig Zunder für die Produktion der lauten Strecken vorstellen. Gerade solche Musik lebt auch extrem von der Produktion und die kostet einfach ordentlich Knete. “On The Verge Of Sth.” von MAYNARD ist ein erster, wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Dauer: 34:30
Label: Eigenproduktion
VÖ: 26.02.2021

Tracklist “On The Verge Of Sth.” von MAYNARD
Conversations At The Crossroad
Hell Broke Lucy
Wipe Out
Stabbin’ Back
Roving Out For Happiness
Reciprocity
I’ll Do Fine
Mr. Snow

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