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Melodie Michelberger – Mein Island: Vom Nichts-Suchen und Alles-Finden – Review

„Mein Island: Vom Nichts-Suchen und Alles-Finden“ von Melodie Michelberger ist kein umfangreicher Wälzer, aber so dicht mit authentischen Fußspuren gepflastert, dass man sich umgehend angesprochen fühlt. Es macht Spaß Melodie Michelberger dabei zu folgen, wie sie ihrer in der Kindheit schon angelegten Leidenschaft für Abenteuer, Vulkane und Erkunden folgt. Dass man sich falsch fühlt, kennen viele. Körper und Psyche wehren sich, wenn es hakt und nicht um den bloßen Wunsch nach Abwechslung handelt.

Dass es Orte gibt, an denen man einfach sein und sich gar entfalten kann, ist wohl das herrlichste, was einem passieren kann. Michelberger ist Ende Vierzig, weiß mittlerweile, was sie möchte und noch mehr, was sie nicht möchte. Das Geld für den ersten Trip nach Island, muss sie sich richtiggehend zusammenkratzen. Damals wusste sie noch nicht, das noch viele Reisen dorthin folgen werden.

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Foto © Julius Wegner

Wo die Natur die Regeln vorgibt

Anfangs noch mit ihrem, erstaunlich reflektiert wirkenden, Sohn unterwegs, traut sich Melodie Michelberger in „Mein Island: Vom Nichts-Suchen und Alles-Finden“ jedes Mal mehr zu. Alleine einen Roadtrip machen, alleine unwegsames Gelände zu Fuß oder mit dem Auto zu bezwingen, überhaupt alleine zu verreisen, all das waren Gedanken, die ihr vor einigen Jahren nicht mal in den Sinn kamen.

In Island kann sich selbstvergessen sein, genießt die Ruhe und die Tatsache, dass die Natur die Regeln vorgibt. Wer schon mal in Island war, weiß was wechselhaftes Wetter bedeutet und wie beruhigend sich die Tatsache, einfach nichts tun zu können, aber auch nichts zu müssen, auf die Seele auswirkt. Melodie Michelberger nimmt uns mit zu Ausflügen, abgelegenen Hotels, gefährliche Situationen und schildert zahlreiche Begegnungen mit liebenswerten Menschen.

Reisen, um zu bleiben

Dabei verklärt sie weder Island, noch deren Bewohner. „Mein Island: Vom Nichts-Suchen und Alles-Finden“ von Michel Michelberger ist ein ehrliches Buch und nicht jedes ihrer Vorhaben läuft glatt, sie macht die Erfahrung, dass isländische Musik und Gepflogenheiten in Deutschland nicht machbar sind und deren Wirkung verpufft. Aber die Urlaube geben ihr die Möglichkeit, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, Gedanken anzustoßen und die daraus resultierenden Erkenntnisse helfen ihr sehr wohl auch im hektischen Deutschland.

Mut wächst unterwegs

Gerade Frauen Ende Vierzig erleben häufig, dass ihr Aufbruch vorschnell mit den Wechseljahren erklärt wird. Sobald sie klarer werden, Grenzen setzen, sich verändern, wird das gern biologisiert – als Laune der Hormone abgetan. Dabei sind es doch die gelebten Jahre, die gemeisterten Krisen und die gesammelten Erfahrungen, die sie stark gemacht haben. Sie sind es, die den Mut wachsen lassen, Nein zu sagen – zu Erwartungen, die nicht mehr passen – und ebenso entschieden Ja zu dem, was sich richtig anfühlt. Diese neue Klarheit mag in ihrer Konsequenz ungewohnt oder gar radikal erscheinen, doch sie ist kein Ausnahmezustand, sondern ein Prozess. Eine Erkenntnis, die reift: dass Leben auch anders geht.

Zwischen Lavafeldern und Lebensfragen

In „Mein Island: Vom Nichts-Suchen und Alles-Finden“ schwärmt Melodie Michelberger nicht nur von Wasserfällen, Vulkanen und dem Gefühl von Weite. Sie erzählt von einem inneren Aufbruch, von einem selbstbewussteren, freieren Lebensabschnitt. Island wird dabei nicht zur bloßen Kulisse, sondern zum Resonanzraum für Veränderung. Was als Reise beginnt, wird zur Bewegung zu sich selbst, und genau darin liegt die eigentliche Rosine am Ende des Hotdogs.

Seiten: 256
Verlag: Rowohlt
ISBN-10: ‎ 3499016079
ISBN-13: 978-3499016073
VÖ: 20.02.2026

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