Melonball – Take Care – Review
Die Nürnberger Punkband MELONBALL stellt mit „Take Care“ hohe Ansprüche an sich selbst und die, die zuhören: inhaltlich und musikalisch. Der energiegeladene Sound treibt hektisch nach vorne, Gesang und Instrumente agieren in einem heftig unter Strom stehenden Spannungsfeld. In der Luft hängen viele Genres; MELONBALL häkseln Pop-Punk, Hardcore und Streetpunk so klein unter, dass man es nicht wirklich zuordnen kann. Leider verpuffen viele melodische Ansätze zu schnell, und die Lieder haben kaum Zeit, zu ankern.

Latenter Konkurrenzkampf
„Take Care“ von MELONBALL hat einen enormen amerikanischen Einschlag, das betrifft auch die Raffung der Texte. „Silence=Compliance“ oder „Ally vs Alibi“ fassen Meinungen grob zusammen und lassen wenig Spielraum für echten Diskurs. MELONBALL machen missverständlich klar, wofür sie stehen („129“). Nimmt man PRESS CLUB oder MARCH als Vergleichsband, verschenken MELONBALL aktuell noch viel von ihrem Potenzial und huddeln ihre prägnanten Szenen stark verschwenderisch. Dabei hat „Take Care“ einiges zu bieten: Gerade wenn die Gitarren sich etwas freispielen, mal ein Solo dengeln oder die Drums nicht durchweg schnattern, sondern mit entsprechenden Figuren einen Raum eröffnen, in dem etwas wirken kann, sind MELONBALL stark.
Strukturen und Hindernisse
„Ignite“ startet offen, trampelt sich dann selbst wieder den Staub auf, findet aber immer wieder zu einer notwendigen Struktur zurück. Trotzdem bleibt das Gefühl, dass hier einfach qualitativ starke Komponenten vermengt werden, die sich gegenseitig wegbeißen. „Ally vs. Alibi“ zeigt, wie es funktionieren könnte, wie ein Refrain wirken kann, wenn man ihm das Schlaglicht gönnt und ihm nicht im Anlauf das Bein stellt. Die Gitarren bringen den Klimax doppelläufig zum Abschluss, und MELONBALL erheben sich wie Phoenix aus der Asche.
Auch „Architects of Comfort“ ist beispielhaft dafür, was die Band kann. Kerniges Songwriting, inhaltsstarke Texte und ein akzentuiert eingesetzter Gesang, der nicht mit den Instrumenten verhandelt, sondern stattdessen effektiv verbindet. „Garbage Day“ gibt dann den auf Anschlag agierenden Drums das, was sie benötigen. Voll auf Anschlag wird hier in dem prägnanten Hardcore-Punk niemand untergebuttert, sondern alle tanzen auf der gleichen Party.
Weniger Energie, mehr Nachhall
Das anschließende „Static“ macht dann alles wieder zunichte, denn nach einem groß angelegten Einstieg knüppeln die Drums wieder alles in Schutt und Asche. Kurzes Aufbäumen im C-Teil, Schadensbegrenzung von Gitarren und Bass, aber leider schon verschenkt. Live können die Songs von „Take Care“ nochmals eine andere Wirkung entfalten. MELONBALL haben gute Ausgangsvoraussetzungen, behindern sich in der Umsetzung aber (noch) gegenseitig, sodass man Highlights picken muss. Etwas weniger Energie an den richtigen Stellen, würde die Songs deutlich mehr nachhallen lassen.
Dauer: 30:31
Label: Rookie Records, Thousand Islands Records
VÖ: 20.02.2026
Tracklist „Take Care“ von MELONBALL
Silence=Compliance
Ignite
Ally or Alibi
The Static
Architects of Comfort
Garbage Day
129
Toxic Routine
Exist
Tolerance for Ambivalence
Bullshit Revolution
Back to My Gut
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