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Metallica, Ghost und Bokassa, Maimarktgelände Mannheim – Livebericht vom 25. 08. 2019

Der Weg zum Konzert von METALLICA in Mannheim war kein leichter. Für den selben Tag war im nahegelegenen Stadion ein Fußballspiel angekündigt, auf der anderen Rheinseite in Ludwigshafen fand das große und international bekannte Filmfestival statt und einige Straßensperrungen machten die Anreise beschwerlich. Aber es wurden extra METALLICA-Züge eingesetzt und man gab sich alle Mühe, um die 60.000 Fans sicher auf das Maimarktgelände in Mannheim zu bringen. Die Veranstalter öffneten das Gelände sogar vorzeitig, um die Besucher vor der Hitze zu schützen.

Und was tut man nicht alles für die Thrashmetallegende METALLICA? Immerhin ist die Band seit 38 Jahren aktiv und wer weiß, wie lange sie noch in Deutschland auftreten. Noch dazu strahlender Sonnenschein und stylische Bierbecher auf denen “Metallica… and beer for all” steht, was will man mehr?

Bokassa-Foto-von-Ole-Ekker
Bokassa, Foto von Ole-Ekker

Seit bekannt wurde, dass die junge, norwegische Band BOKASSA mit METALLICA auf Tour geht, hat man das Gefühl, fast wöchentlich von der Band zu hören. Man muss schon sagen, dass deren aktuelles, zweites Album “Crimson Riders” wirklich stark und angenehm vielfältig klingt. Die etwas hysterische Begeisterung von METALLICA-Drummer Lars Ulrich muss man jetzt nicht unbedingt teilen – er nannte BOKASSA seine neue Lieblingsband und verschaffte ihr damit einen riesigen Aufmerksamkeitsschub – aber die drei Musiker Jørn Kaarstad, Olav Dowkes, und Bård Linga nutzen ihre Chance und machen guten Stimmung. Das Trio aus Trondheim spielt vor der schon aufgebauten Kulisse von GHOST, viel Umbauarbeiten kann man sich bei einem Konzert dieser Größe nicht leisten.

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GHOST wollen, dass alle gemeinsam kommen

Dass GHOST als Support von METALLICA spielen, ist cool aber irgendwie auch seltsam. Die Schweden können doch schon längst alleine laufen und so große Menschenmassen sind wiederum nicht das, wonach sie streben, oder doch? Die Kulisse ist so stimmungsvoll wie es eben bei strahlendem Sonnenschein möglich ist und es sind einige mehr Nameless Ghouls auf der Bühne unterwegs als üblich. Natürlich wirkt die Show von Cardinal Copia und seinen Kollegen im Dunkeln noch besser. Aber der Schlingel meistert auch diese Hürde mit Leichtigkeit und GHOST beweisen, dass sie vollkommen zurecht so verhältnismäßig schnell vorangekommen sind.

Ghost Foto von Mikael Eriksson
Ghost, Foto von Mikael Eriksson

Nach dem Intro “Ashes” betritt der Cardinal angenehm arrogant und selbstbewusst die Bühne und schon bei den ersten Tönen von “Rats” ist klar; die überzeugen heute. Sänger Tobias Forge spielt seine Rolle perfekt. Alleine der rote Anzug macht ihn als Cardinal dezent unsympathisch, seine Gestern und teils anzüglichen Bewegungen unterstreichen den gewollt schmierigen Charakter. Mit “Cirice” weht sogar ein wenig Big4-Wind über das Gelände. Der Song klingt einfach wie SLAYER, nur auf 33 statt 45 abgespielt. Gerade nach der Veröffentlichung ihres letzten Albums “Prequelle” wurde GHOST vorgeworfen, dass sie etwas zu zugänglich geworden wäre. Die Reaktionen zum stark nach den Achtzigerjahren riechenden Song “Dance Macabre” zeigen, dass sich dieser Mut gelohnt hat. Mit “Square Hammer” machen GHOST den Sack nach einer guten Stunde zu und es sollte mit dem Teufel zugehen, wenn die Schweden nicht einige neue Anhänger haben.

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METALLICA mit viel Tam Tam und Getöse

METALLICA fahren selbstverständlich das komplette Programm ab. Nach dem obligatorischen Intro mit “The Ecstasy of Gold” und den ebenso obligatorischen Fanchören dazu, ballern die vier Herren los. Der Song “Hardwired” vom aktuellen Album knallt live aber deutlich mehr als auf Platte. Im weiteren Verlauf des Abends thrashen sich METALLICA fast einmal quer durch ihre Diskographie und überraschenderweise hat man nicht den Eindruck, dass das Publikum nur die Klassiker hören will.

Songs wie “Sad But True” , “Master Of Puppets” oder “For Whom The Bell Tolls” hängen natürlich schon länger in den Köpfen der Fans und weisen auch deutlich mehr Mitsingpotential auf. Es ist unglaublich, wie viele – auch junge – Leute Shirts des verstorbenen METALLICA-Bassisten Cliff Burton tragen, obwohl er schon so lange tot ist. Man darf auch darüber schmunzeln, dass James Hetfield seit Jahrzehnten die gleichen Gesten und gleichen Sprüche bringt und damit offensichtlich immer noch erfolgreich ist. Aber gut, Tradition muss sein.

Metallica Band 2018 Ross Halfin

Laser blitzen über das Gelände, Feuerfontänten, Nebelschwaden und auf den Leinwänden geht auch einiges ab. Über zu wenige Show wird sich ganz sicher niemand beschweren. Besonders gut sind die Szenen, in denen Drummer Lars auf der Leinwand von oben gezeigt wird. Es macht Spaß, ihm beim (teilweise angestrengten) Knüppeln, am besten mit der Zunge im Mundwinkel, zuzuschauen. Seit Robert Trujillo vor mittlerweile schon 16 Jahren als Nachfolger von Jason Newsted als Bassist dazugestoßen ist, ist zumindest auf der linken Seite auch die dauerhafte gute Laune eingekehrt. Der sympathische saitenzupfende Schrank scheint jedes Mal großen Spaß beim eigenen Konzert zu haben. Sein Sohn Ty half bereits 2017 bei KORN als Bassist aus, er hat das Talent also vererbt.

James will wissen: How does it feel to be alive?

In Wien coverte Metallica “Schifoan” von WOLFGANG AMBROS, in Köln gab es ihre Version von “Viva Colonia”, die Berliner durften sich über “Engel” von RAMMSTEIN freuen und in München machten sich METALLICA an “Skandal im Sperrbezirk” von der SPIDER MURPHY GANG. Dementsprechend gespannt waren die Mannheimer, welches Ständchen ihre Stand bekommen würde. Natürlich lag irgendwas der SÖHNE MANNHEIMS nah, aber METALLICA entscheiden sich für “König von Deutschland” von RIO REISER. Laute Fanchöre geben Roberto und Kirk Rückendeckung. Für eingefleischte Fans wird allerdings der Song “The Outlaw Torn” vom Album “Load” das Highlight des Abends sein, da dieser wirklich sehr selten gespielt wird.

Als METALLICA nach fast 2 Stunden mit “Enter Sandman” und einem fulminanten das Konzert beenden, sehen die meisten Leute sehr zufrieden aus. Wahrscheinlich war es für viele nicht das erste Konzert von METALLICA und sicher für die meisten nicht das letzte.

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