Metz Atlas Vending

Metz – Atlas Vending – Review

Leutz, ich sag’s euch ganz offen. Wenn es nach mir ging, dann könnte ich mir von “Atlas Vending” von METZ auch nur die Schlagzeugspuren reinziehen. Man muss keine Schläge mögen, um davon extrem beeindruckt zu sein. Was haut der Typ Hayden Menzies uns da Krankes um die Ohren? Sänger und Gitarrist Alex Edkins und Basser Chris Slorach machen den dreckigen Post-Noise-Punk nicht schlechter, im Gegenteil. Wie tief darf man Melodien vergraben und warum sind unterschwellige Stimmung so viel packender? In meinen Ohren klingt das neue Werk der Kanadier wie auf ihre Genres transferierter Black Metal.

Im Dreck wühlen

Es gilt also bei “Atlas Vending” im Dreck zu wühlen. Und es gibt sie, die hellen Momente, man muss sie nur mit der Kneifzange aus dem Dreck fischen. Dabei vermitteln uns METZ mit “Pulse” einfach nur den Eindruck zu stören. Offenbar sollen die HörerInnen draußen bleiben oder warum gestaltet sich der Beat so abweisend und in jeglicher Form destruktiv? Fans von METZ lassen sich davon natürlich nicht abschrecken und finden Gefallen an dem zerstörerischen Aufbau. Aus dem schwellenden Feuer wird ein Flächenbrand und sobald der Song vorbei ist, kann man selbst nicht mehr rekonstruieren, woher die Aufregung rührte. Denkt man an ähnliche Versuche von NIRVANA, wirken diese retrospektiv inkonsequent und wie Kindergarten. METZ haben echt keinen Bock, oder andersrum: METZ haben Bock auf Abweisung. Wie damals, als der große Bruder die kleine Schwester mit einem energischen, aber ansonsten unkommentierten, Stirnklatscher des Zimmers verwies, wollen METZ uns verstören.

Sie wissen, was wir denken

“I know exactly what you’re thinking” brüllt uns Edkins entgegen, die flankierende Kompositionen drückt Alarmbereitschaft aus und vereint Instablitität mit Standfestigkeit. “The Mirror”zu feiern ist einfach. Hirn raus und Ego-Pogo an. Dissonanzen und leicht leiernd klingendes Riffing drehen sich im Kreis. Je schneller man tanzt, umso enger wird man eingewickelt. Im Refrain versprühen METZ einen Hauch Sechzigerjahre, der aber in den Strophen niedergegrungt wird. Wer in den nächsten Wochen mal den Garten umgraben oder die Wohnung kernsanieren möchte, “Hail Taxi” ist euer Song. METZ nehmen uns in eine sich endlos drehende Mangel, die Atmosphäre ist so dicht, dass kein noch so dünnes Blatt dazwischen passt. Gleiches gilt für den Bastard “Parasite”, eng an sich drücken und dann wieder mit voller Wucht wegstoßen. Das haben METZ einfach drauf.

Assoziationen bitte hier einfügen

“Framed by the Comet’s Tail” klingt wie eine defekte Spieluhr, die unheilbringenden Drums machen scheinbar nicht viel… und dominieren doch den Song. METZ kommen auch ohne Eskalation aus, halten die Spannung hoch und verwehren uns in diesem Fall komplett den Höhepunkt. Das Endes des Songs ist einfach nur die pure Aufforderung: “Fügen Sie bitte hier ihre eigenen Assoziationen ein”. Und wenn das Trio zum Abschluss mit “A Boat to Drown In” ein langes – nicht enden wollendes – vom Takt angetriebenes Instrumental anstimmt und uns scheinbar vom Bösen in eine bessere Welt überleitet, dann bin ich bereit für das Ende. Ich liebe dieses Album. Für mich ist “Atlas Vending” von METZ ein klarer Fall für meine Jahresbestenliste.

Dauer: 40:01
Label: Sub Pop / Cargo
VÖ: 09.10.2020

Tracklist „Atlas Vending“ von METZ
Pulse
Blind Youth Industrial Park
The Mirror
No Ceiling
Hail Taxi
Draw Us In
Sugar Pill
Framed by the Comet’s Tail
Parasite
A Boat to Drown In

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