cover Nali Samon Kawamura - Asche

Nali & Samon Kawamura – Asche – Review

In knapp vierzig Minuten fusioniert der Berliner Rapper NALI mit dem Produzenten SAMON KAWAMURA zu einer cremigen Essenz aus Boom bap und Old-school-Hip-Hop mit verdammt starken Texten. Dabei ist die “Mondwächter” EP erst ein gutes Jahr alt und dazwischen hat er noch mehrere EP veröffentlicht. Kreativblockaden scheint er also nicht zu haben, auf den offensichtlichen Hit schielt er aber trotzdem auch nicht.

Die vierzehn Tracks zehren alle von einer angenehm dunklen Stimmung, häufig mit einem dezent melancholischen Unterton. Keine Songs über großspuriges Gewinnen, eher Hymnen für den Weg, wohin auch immer der führen mag. Hauptsache unterwegs, hauptsache Hip Hop.

Kein erstes Mal

SAMON KAWAMURA war maßgeblich an den Produktionen von MAX HERRE, JOY DENALANE, YAKOTO und MEGALOH beteiligt. Das spürt man total und der Regenmacher MEGALOH hat es mit einem starken Feature beim Song “Gralskönig” sogar auf das Album “Asche” geschafft. Jegliche Vorschusslorbeeren für NALI waren auf jeden Fall mehr als berechtigt. Er klingt eigentlich ganz anders, als auf den EP und nichts an diesem Debüt wirkt so, als ob er es zum ersten Mal tun würde.

Echte Zusammenarbeit, ohne Ego-Fechten

Das Wort Zusammenarbeit haben NALI und SAMON KAWAMURA offensichtlich sehr ernst genommen, niemand setzt hier seinen Kopf durch und niemand drängt sich mit seinen Fähigkeiten unnötig in den Vordergrund. Ausgewogen und ebenbürtig stehen sich Beats und Lyrics gegenüber, die Kompositionen kommen mal mit einem Loop aus oder gönnen sich eben eine ausgefeilte, detaillierte Beatgrundlage (“Lockdown”).

Auch das mal reduziert (“Stromkasten) und mal verspielt eingesetzte Klavier gibt dem Album eine ergreifende Tiefe, macht den Sound breiter und erzeugt viel Masse, von der man sich einwickeln lassen kann. Die Texte sind dieses Mal intimer, die Geschichten aus dem Hier und Jetzt sind lediglich Gerüste und Rampen zu den wirklichen Gedanken von NALI (“Weedentzug”). So weiß man, was in ihm vorgeht, oder eben auch nicht. Geschickt verschleiert, offen und doch jederzeit die Möglichkeit über den Notausgang zu entkommen.

Wie neu geboren, ohne tot gewesen zu sein

“Du brauchst Gott” ist ein gutes Beispiel für NALIs Art zu texten. Eigentlich ist der Song auf den ersten Blick ein Diss an Fake-Rapper*innen. Oder generell diejenigen, die meinen obenauf zu sein und für immer dort bleiben zu können? Gleichzeitig ein Aufruf dazu, sich im besten Fall einfach selbst am Schopf auf der Scheiße zu ziehen und zum eigenen Erlöser aufzuschwingen. Selbst wer nicht an Gott glauben sollte, braucht ihn (oder sie) doch als Gegenpol. Es sind nicht die Hooks, die einem auf “Asche” von NALI mit dem nackten Arsch ins Gesicht springen. Selbst wenn er zweifelsohne so stark textet, wie nie zuvor.

Es ist wirklich die Magie, durch NALI und SAMONs Zusammenspiel entsteht, das Einhalten von vermeintlichen Strukturen ist dabei zweitranging. So kommt NALI also mit seinem ersten Album “Asche” wie der Phoenix aus ebendieser, wirkt wie neu geboren, ohne tot gewesen zu sein. Starke Ding zum Jahresabschluss, bei dem man sich herrlich an vermeintlichen Kleinigkeiten – wie dem grandiosen Abschluss von “Fluch und Segen” feat. CURSE – aufhalten kann.

Dauer: 39:51
Label: Butzemann / Sony Music
VÖ: 10.12.2021

Tracklist “Asche” von NALI und SAMON KAWAMURA
Mayumi’s Intro
Kaiserschmarn
Big Gas
Gralskönig (feat. MEGALOH)
Abendrot
Stromkasten
Dachterasse (feat. RICK HYDE)
Kalt
Signalton
Dunkelheit
Lockdown (feat. RCSE)
Du brauchst Gott
Fluch und Segen (feat. CURSE)
Weedentzug

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Ein Kommentar

  • Ich seh hier noch viel Luft nach oben.

    Die Produktion ist stark, meiner Meinung nach stark inspiriert von den Trends der letzten Jahre, gerade beim Intro und dem ersten Track dachte ich höre was von Griselda.

    Den Rap fand ich leider gar nicht stark. Das Album ist fast monothematisch übers Kiffen und das an sich ist für mich kein Kritikpunkt, ich brauche nicht immer deepe Texte, aber hier geht es halt null in die Tiefe. Manche Textzeilen sprechen Probleme an, doch statt diese Lines auszuschmücken dienen sie nur als Brücke für einen Reim. Die Reime an sich sind absolut okay, nur irgendwie leblose Worthülsen und Phrasen die man entweder schon kennt oder von jedem anderen auch stammen könnten. Auch das ist wieder an sich kein Beinbruch, jedoch ein Genickbruch im Zusammenspiel mit dem Flow. Dieser ist sowas von unkreativ und gleichbleibend dass jedes Feature eine wahre Bereicherung ist und den Song quasi stiehlt.

    Ich sehe aber durchaus Potential. Die Rapper / Prdoducer Kombi passt, die Stimmlage ist angenehm und stimmig mit den Beats. Vielleicht fehlt einfach nur ein Mentor der nochmal anstoß gibt an Text und Technik zu feilen…

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