NeoRite - Temple Of The New Coverartwork

NeoRite – Temple Of The New – Review

NEORITE aus Münster haben ihr Album “Temple Of The New” bereits im März digital veröffentlicht, nun erscheint es erneut über This Charming Man Records, für mich eigentlich ein verlässliches Qualitätsmerkmal. Die Band spielt Alternative Rock, Grunge, Thrash, Progressive Metal, Psychedelic Rock… ihr merkt schon, es ist ziemlich viel. Im Mittelpunkt des Albums stehen die Gitarren und der bemerkenswerte Gesang von Alexander Mock zieht sich als weitere, positive Konstante durch. “Temple Of The New” von NEORITE klingt für mich aber wie ein einziges Ratespiel. Als ob ein Moderator der Band heimlich Stile oder Bands zuflüstert, die sie möglich gekonnt und unauffällig in den aktuellen (und dadurch viel zu langen) Song einfließen lassen müssen. Der Hörer soll diese dann erraten, zu gewinnen gibt es aber leider nichts.

Ist das nicht von, …

Beim Einstieg von “Neology of Enlightenment” rechnet man fest mit einem handfesten Cover eines Songs von DESERTED FEAR, im Mittelteil wühlt man dann gedanklich im alten Backkatalog von METALLICA (ist das Solo jetzt eine Verbeugung vor der Band oder hat das tatsächlich niemand gemerkt?!) und zwischendurch scheint immer wieder Psychedelic Rock durch. Als ob das alles noch nicht verwirrend genug wäre, gibt es obendrauf noch eine Schippe norwegischen Black Metal. Und als ob METALLICA nicht schon genug zitiert worden wären, ist die Band gleich wieder im Song “Emergence” dran, gibt den Staffelstab an BARONESS weiter und meiner Meinung nach sind das wirklich keine Querverweise mehr. Im Anfang vom Grunge-Hardrock-Song “One Breath Life” versteckt sich “No More Tears” von OZZY OSBOURNE, “Whitewash The Black” bedient sich bei “Gravity Giants” der Belgier von ehemals STEAK NUMBER EIGHT jetzt STAKE… so könnte man die komplette Platte weiter sezieren, hier noch einen Gesangsmelodie rauspicken, da noch ein Riffing und hier einen Taktwechsel. Letztendlich führt das aber zu nichts und höchstwahrscheinlich ist das von der Band in 98% der Fälle weder bemerkt, noch beabsichtigt.

… oder sind das doch eher?

NEORITE lassen mich mit einem Fragezeichen zurück. Alle Beteiligten beherrschen ihr Handwerk, daran besteht überhaupt kein Zweifel. Jeder Griff sitzt und zwischen den Noten findet viel statt. Alle vier Musiker sind offenbar an Musik interessiert, handwerklich variabel und scheinen vielen Genres gegenüber offen zu sein. Originäres Songwriting scheint aber nicht ihr Steckenpferd zu sein. Letztendlich kann ich als Hörer beim besten Willen nicht anknüpfen und “Temple Of The New” nichts abgewinnen. Keine kreative Abfahrt für mich dabei. Hört man das Album mit dem Anspruch, den man zum Beispiel an einen Sampler oder eine hochwertige Coverband hat, läuft “Temple Of The New” gut rein und hat rein spielerisch bemerkenswerte Szene zu bieten. Natürlich darf man beim ersten Album auch nicht den großen Wurf erwarten. NEORITE haben alle Anlagen und ganz offensichtlich einen sehr gute Musikgeschmack, mit etwas mehr Mut zur Eigenständigkeit und einem guten Mentor in Sachen Songwriting ist auf jeden Fall eine Steigerung drin. Eventuell gibt es ja doch was zu gewinnen und ich verstehe den Witz einfach nicht?

Für Leute, die…
Ratespiele mögen.

Tracklist “Temple Of The New” von NEORITE
Aporia
In Circles
Neology of Enlightenment
Emergence
One Breath Life
Whitewash The Black

Dauer: 36:54
Label: This Charming Man
VÖ: 31.05.2019

NEORITE bei Facebook

Handwerklichen gut gemachten, traditionellen Rock machen auch JACK SLAMER, hier findet die Review zur “s/t” der Schweizer.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.