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NorthTale – Welcome To Paradise – Review

Wenn man etwas hysterisch sein will, kann man NORTHTALE mit ihrem Debüt “Welcome To Paradise” schon als kleine Supergroup bezeichnen. Immerhin reden wir hier über Power Metal und mit Gitarrist Bill Hudson (TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA, I AM MORBID, Ex-U.D.O./DIRKSCHNEIDER), Sänger Christian Eriksson (Ex-TWILIGHT FORCE), Schlagzeuger Patrick Johansson (u.a. ex-YNGWIE MALMSTEEN, ex-W.A.S.P.), Bassist Mikael Planefeldt und Keyboarder Jimmy Pitts haben sich hier enorm respektable, erfahrene Musiker zusammengetan. Das hört man “Welcome To Paradise” in jeder Sekunde an. Die Band zelebriert die Übertreibung und die Ironie, die dem Metal in so vielen Sparten leider über die Jahre abhandengekommen ist. Noch dazu glänzt die schwedische-amerikanische Band mit Melodien, Livetauglichkeit und schnell zündenden Hooks.

Etwas Größenwahn ist nie verkehrt

Ein Blick auf die Tracklist und das Artwork von Felipe Machado lassen schon Schmunzeln, NORTHTALE ziehen den Schuh komplett durch. Wer so gut spielen kann, der darf sich das allerdings auch erlauben. Ohne lächerlich zu wirken, brettern die fünf Herren gut gelaunt durch die 13 Songs und immerhin 53 (!) Minuten. So manche Gitarrenfrickelei erinnert stark an SYMPHONY X (“Siren’s Fall”), die Saitenfraktion liefert generell nicht nur tadellos, sondern auch beeindruckend schnell ab. Endlich mal wieder Gitarren zum Mitsingen! Die Botschaften sind durchweg positiv, ermunternd und eben mit einem gewissen Größenwahn ausgestattet (“Everyone’s A Star”). Christian Eriksson ist ein begnadeter Sänger, der nie schmalzig und immer ausreichend kernig singt. Die Band hat das Album selbst produziert, Mix und Mastering stammen von Jonas Kjellgren. Und trotz allem Pathos, haben NORTHTALE es geschafft, dass “Welcome To Paradise” nicht klinisch oder kalkuliert klingt. Nicht selten brettert das Album ordentlich dick und animiert zum Nackenpropeller und nicht nur zum Bierbecher schwenken. Mit “If Angels Are Real” liefern NORTHTALE noch einen Trauersong mit Ohrwurmhook statt Moll-Drama.

Singende Gitarren weisen den Weg zum Paradies

Schon alleine die JUDAS PRIEST-Hommage im Intro zum Oberüberaußerhit “Bring Down The Mountain” ist zum Niederknien. Der vielschichtige Stakkato-Trip “Playing With Fire” bettelt darum, live von vielen Leuten gefeiert zu werden. NORTHTALE konzentrieren sich auf den Metaller am Rande der Gesellschaft, versuchen Außenseiter zu motivieren, einfach sie selbst zu sein. Und diese Botschaft ist vollkommen ernst gemeint und, auch wenn sie banal wirkt, eine gute. Seit POWERWOLF hat mich keine Band aus diesem Genre mehr so schnell abgeholt und so gut unterhalten. Das liegt daran, dass die Mischung aus Härte und Augenzwinkern stimmt und hier noch dazu jeder ein Profi ist. Für mich die einzig richtige Möglichkeit, wie man dieses Genre interpretieren kann. Tipp!

Für Leute, die…
den Metal nicht so bierernst nehmen.

Tracklist “Welcome To Paradise” von NORTHTALE
Welcome To Paradise
Higher
Follow Me
The Rhythm of Life
Time To Rise
Way Of The Light
Shape Your Reality
Everyone’s A Star
Siren’s Fall
Bring Down The Mountain
Playing With Fire
If Angels Are Real
Even When

Dauer: 53:03
Label: Nuclear Blast
VÖ: 02.08.2019

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