Noseholes Ant And End Albumcover 2019

Noseholes – Ant And End – Review

“Ant And End”? Ok, auf derart kreative Wortspiele kommt man eigentlich nur, wenn man nach einer durchzechten Nacht den Blick über den mit leeren und halbvollen Flaschen und Gläsern übersäten, verklebten Fliesentisch schweifen lässt. NOSEHOLES aus Hamburg haben ihr Album danach benannt und Bands wie sie dürfen sowas auch. No Wave, Disco und Post-Punk sind die Genres, denen man den pulsierenden Wahnsinn zuordnet. Gemeint ist nicht die typische Uffz-uffz-Disco. NOSEHOLES sind eher für die Kaschemmen geeignet, die man nur mit Passwort durch eine mysteriöse Zwischenwelt erreicht. Eintritt nur auf Einladung.

Musikalischer Trip

Bei Sängerin ZooSea Cide bin ich mir immer noch nicht sicher, ob sie mich nicht doch provozieren will. Schnoddrig, auffordernd und genervt nölt sie sich durch das Album. Angegriffen fühle ich mich von ihrer selbstbewussten Präsenz, aber genau das ist es, was NOSEHOLES wollen. Jeder Beat wirkt wie eine einzige Provokation, das Saxophon will nur stören (“Vacuum Flies”) und generell klingt “Ant And End” wie ein talentiertes ADHS-Kind. Weiß viel, kann viel und nervt trotzdem manchmal tierisch. Grinst aber frech, wenn es darauf hingewiesen wird. Im Zweifelsfall sagt man lieber, dass die Musik von NOSEHOLES chic und anders ist. Wie bei dem crazy Stuhl, der da drüben in der Galerie steht und auf dem man eigentlich einfach nur maximal unbequem sitzt. Oder wie NOSEHOLES selbst singen: “Don’t open the door, this door must be closed.” Ja komm, geh wech, ihr seid doch die ersten die kucken, was dahinter ist. Das lumpig-spaßige “Jackson 4” fordert unweigerlich zum Tanzen auf. Da wo auf dem Vorgänger erläutert wurde, dass der Hund eine “barking shit machine” ist, machen NOSEHOLES nun augenzwinkernd klar: “Music doesn’t like us, but we like music.” Klingt wie eine true story.

Who are you? Why are you?

Seltsam an “Ant And End” ist, dass ich mich immer wieder zu dem Album hingezogen fühle. Dabei suggerieren NOSEHOLES mit jeder Faser, jeder Pore, dass sie nichts mit dem Hörer zu tun haben wollen und nicht gewillt sind, auch nur ein Schrittchen entgegenzukommen. Auf dem Albumartwork wieder Punkte, ähnlich wie beim Vorgänger “Danger Dance”. Nur dieses Mal in wellenförmigen Reihen, was die musikalischen Veränderungen gut grafisch darstellt. NOSEHOLES sind weniger tanzbar und noch etwas transzendenter geworden, schwereloser und aufgelöster. Das macht das Album noch etwas schwerer zugänglich und noch etwas interessanter. Ich weiß immer noch nicht so genau, was ihr von mir wollt, tanze aber weiter im Takt von “Baked Beans”. Immer schön mit dem Kopf gegen die Wand.

Für Leute, die …
Provokation aushalten können.

Tracklist “Ant And End” von NOSEHOLES
Snowsuit Ranger
IQ-Model
Ant And End
Vacuum Flies
Glimmering Mamba
Casino E Vino
Radio Universe
Jackson 4
Baked Beans

Dauer: 23:05
Label: ChuChu Records
VÖ: 17.05.2019

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