Olympya Auto Artwork

Olympya – Auto – Review

Die Hamburger Band OLYMPYA kommt mit ihrem ersten Album “Auto” um die Ecke. Die offensichtlichste Gemeinsamkeit mit dem Sportfest, sind die unterschiedlichen Disziplinen, die sich in der Vielfältigkeit der Musik zeigt. Es wummst, es flowt, es knallt, groovt und es denkt nach, bevor es spricht. Denn abgesehen von der musikalischen Wundertüte, die OLYMPYA an uns rausgeben, stehen die Texte im Vordergrund. Das Know How im Umgang mit Worten kommt nicht von ungefähr, denn an Bord des Team OLMYPYA befindet sich unter anderem Marcus Borchert aka Pierre Sonality.

OLYMPYA 2021, Foto von Lena Allgeier

Wortgewaltige Wundertüte

Da wo bei anderen Bands der erhobene Zeigefinger zum Einsatz kommt, haben OLYMPYA eine spaßige Konfettikanone. Alles auf “Auto” wirkt erst richtig durch die gemeinschaftlich entstandenen Texte. Texte, die Sachverhalte bewusst überspitzen, auf den Punkt bringen oder auch einfach frech konterkarieren. Während man manchen Band leider gar nichts außer Langeweile an der eigenen Kunst unterstellen kann, darf man OLYMPYA unterstellen, dass sie sich wirklich Gedanken gemacht haben. Selbst der Opener “Berlin”, der erst wie ein KLAUS LAGE-Revival klingt (gegen den übrigens nichts einzuwenden ist!), ist bei genauer Betrachtung doch deutlich vielschichtiger. Es geht viel um Adoleszenz auf “Auto”, wir reisen in die Achtzigerjahre und in die dunklen Ecken auf dem Schulhof, wo es manchmal ordentlich auf die Omme gab. Auch mal ohne Grund oder weil ein anderer einfach mehr Kohle und Macht hatte (“Die Kohle meiner Eltern”).

Nur Ehrenurkunden, keine Trostpreise

Mit dem NDW teilen sich OLYMPYA eigentlich nur das freundliche Parolentanzen. Das bissige “Ostseeträume” snackt sich musikalisch super weg, der Beat hält alles zusammen, die konsequente Haltung der Band kommt eher nebenbei und eigentlich bleibt einem dann die Partylaune im Halse stecken. Eine weitere Stärke von OLYMPYA ist die maximale Trefferquote im Hinblick auf Ohrwürmer. Es braucht nur wenige Begegnungen mit dem autogetunten (Knickknack “Auto” und Autotune!) “Tabletten” oder dem hektisch nach vorne getaktete “Drohne”, um damit mehr als vertraut zu sein. “Drohne” ist eines dieser vielen trojanischen Pferde auf “Auto”, im Grunde eine spitze Schelle gegen Ballerspiele und die Isolation vorm Bildschirm. Die meistens gar nicht so frei gewählt ist, wie einige Jugendliche oder Hängengebliebene denken.

Durchziehen, wie Rocky

Flexibilität ist die eine Sache, dass der Band aber wirklich jeder Trick gelingt, ist bemerkenswert. “Deine Schwester” und “Die Kohle meiner Eltern” lässt einen gut gelaunt zum Dosenbier greifen. Und bevor man sich entscheiden kann, ob das jetzt ironisch oder ernst gemeint ist, schwenkt man schon zu “Rocky” das Feuerzeug. Ich sag’ Teenage Pizza Horrorfilm, ihr sagt Coca Cola! Ihr seht, es ist für alle was dabei. Alles Ehrenurkunden und keine Trostpreise auf der Platte. Die gute Laune von OLYMPYA ist ansteckend, die klugen Gedanken hoffentlich auch.

Dauer: 35:58
Label: Audiolith Records/The Orchard
VÖ: 26.02.2021

Tracklist “Auto” von OLYMPYA
Berlin
Ostseeträume
Tabletten
Crash Test Dummies
Drohne
Deine Schwester
Rocky
Benzin
Die Kohle meiner Eltern
Teenage Pizza Horrorfilm
Schulhof

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