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Opeth – In Cauda Venenum – Review

OPETH sind keine Band, die es sich selbst unnötig schwer macht, um anzugeben. Nie gewesen. Aber nicht alles in “In Cauda Venenum” geht auf und einiges ist auch zu ambitioniert. Dabei entstand das Album eher zufällig, weil Sänger Mikael Åkerfeldt eigentlich nur mal im Studio checken wollte, ob er noch alle Techniktricks beherrscht. Dabei küsste ihn dann 2017 unerwartet die Muse und legte den Grundstein für das nun vorliegende 13. Album der schwedischen Prog-Rock-Band. Nicht nur mein persönliches Highlight “Heart In Hand” spielt mit Spitzen und Verquickungen, die OPETH zwar als eine der ersten etabliert haben, aber schon lange nicht mehr für sich alleine beanspruchen. Will heißen, andere Bands wie bspw. PAIN OF SALVATION machen das mittlerweile mindestens genauso gut.

Zu viel von allem

Manchmal muss man sich einfach unbeliebt machen, mir fehlt bei OPETH mittlerweile die Härte. So. Während auf den Alben “Pale Communion” und “Heritage” dies noch mit interessanten progressiven Strukturen wettgemacht wurde, ist es seit dem letzten Album größtenteils über lange Strecken einfach öde. Sehen aber offensichtlich viele anders, denn mit dem letzen Album “Sorceress” erreichten OPETH Platz 1 der deutschen Charts. Es muss nicht gleich brachialer Metal und gutturaler Gesang sein, aber die harten Gitarrenklänge spielen mittlerweile tatsächlich eine schon fast untergeordnete Rolle. “Next Of Kin” zeigt, wie schön es ist, wenn die krachenden Gitarren stimmig eingesetzt werden, hier ziehen OPETH wirklich gekonnt alle Register und liefern ein opulentes Epos ab. Und auch das Stakkato-Gehacke in Kombination mit der Orgel in “Charlatan” ist durchaus interessant, hält aber auf Dauer auch nicht die Spannung.

opeth bandfoto 2019
Opeth, 2019

Wenn dann gefühlt über Minuten nichts passiert und auch kein nachvollziehbarer Stimmungsaufbau erfolgt, dann sind auch manche Ausschweifungen nicht gerechtfertigt. Nach einer Durststrecke im zerpflückten Mittelteil von “In Cauda Venenum” lässt “The Garroter” dann wieder aufhorchen. Ganz offensichtlich theatralische und jazzige Strukturen, die nichts anderes sein wollen und genau deshalb gut sind.

Im Zweifel für OPETH

Das und wie es richtig funktioniert, demonstrieren OPETH dann nochmals eindrucksvoll im stimmigen Abschluss mit “All Things Will Pass”. Ein bildgewaltiges Drama, das jede Sekunde nutzt, jede Emotion ausspielt und in sich geschlossen ein eigenes Abenteuer erzählt. Das gerade dieser letzte, weitläufige Song kein richtiges Ende hat, ist hoffentlich Teil des Plans gewesen. Im besten Fall regt mich ein Album so an, dass ich danach neugierig auf die Geschichte dahinter bin. Da fallen mir Songs wie “Telegraph Road” von DIRE STRAITS oder “Anesthetize” von PORCUPINTE TREE ein.

OPETH setzen mich mittlerweile schon fast unter Stress, da ich davon ausgehe, als Einzige den höheren Sinn nicht verstanden zu haben. Wer möchte, kann sich “In Cauda Venenum” von OPETH noch in der schwedischen Version ins Regal stellen. Entgegen der Kommerzvorwürfe, finde ich die Idee richtig gut, in der englischen Version sind allerdings auch schwedische Interludes und Samples enthalten.

Tracklist „In Cauda Venenum“ von OPETH
Garden Of Earthly Delights
Dignity
Heart In Hand
Next Of Kin
Lovelorn Crime
Charlatan
Universal Truth
The Garroter
Continuum
All Things Will Pass

Dauer: 67:56
Label: Nuclear Blast
VÖ: 27:09.2019

OPETH bei Facebook

Ebenfalls progressive, aber deutlich härtere Ansätze verfolgen die Engländer PSOTY auf ihrem Album “Sunless”, die Review dazu findet ihr hier und auch INSOMNIUM sind auf ihrem Album “Heart Like A Grave” sehr ausschweifend. Wer es gerne progressiv aber richtig heftig mag, kann mal in “Gideon” von RINGS OF SATURN reinhören.

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