Pabst – This Is Normal Now – Review
Beim Genuss von PABSTs neuer Platte „This Is Normal Now“ muss man unweigerlich mit einem bitteren Grinsen um die angespannten Mundwinkel nicken. Ja, offensichtlich ist es normal, dass eine Band aus Berlin seit mehreren Jahren fast in Alleinregie international taugliche Stoner-Rock-Grunge-Hymnen raushaut, ohne dass es genug Leute juckt. Aber, zurück auf Anfang, lasst uns dankbar und positiv sein: Die mittlerweile – klammert man die Liveplatte „1,2,3,Go!“ aus – vierte Platte des Trios, das von jeher mit Erik Heise, Tore Knipping und Tilman Kettner in Originalbesetzung metert, ist wieder eine 11 von 10.
Was nicht unbedingt auf der Hand liegt, denn im Vergleich zu den stark dynamischen Vorgängern begibt sich die Band, bewaffnet mit ihren ganz besonderen Stärken, auf bisher unbetrampelte Pfade. Der Pop-Anteil streckt die Ellbogen aus, frisst sich in die rhythmusorientierten Rockkompositionen und gibt PABST damit einen ganz neuen und subtil weicheren Stich.

Was ist heutzutage schon normal?!
„This Is Normal Now“ von PABST spielt natürlich auf die rasanten Änderungen im Musikbusiness, aber auch im Hinblick auf das maximale Maß an persönlicher Anpassung an. „I Felt All There Is To Feel“ spielt mit dem wuchtigen und bewusst überladenen Arrangement auf die daraus resultierende Überforderung an. Erik Heise bildet die Konstante, zeigt sich zerbrechlich und doch schon fast trotzig renitent. Ein bisschen genießt man die dominant stampfenden Takte und die sich erbarmungslos über einen ergießenden Flächen. Man gewöhnt sich schließlich an alles.
Um zu der eingangs angedeuteten Bitterness zurückzukommen: Vor einigen Jahrzehnten hätten sich PABST mit solchen Songs jeden verdammten Award abgeholt und eine Menge Knete eingesackt. Vielleicht wäre ihnen dann aber der Biss abgegangen, um mehrschichtige Wuchtbrummen wie „Song On The Radio“ zu gestalten. Wie ein unfreiwilliger Unfall von Powerviolence, Pop und Grunge prallen hier allerlei Stimmungen so authentisch aufeinander, dass man deren krude Harmonie kaum hinterfragt.
Gelungene Ambivalenz zwischen Realitätscheck und Kopfstreicheln
Abgesehen von der eigenen Handschrift, die PABST vom Debüt an hatten, glänzt „This Is Normal Now“ mit einer bemerkenswerten Trotzigkeit. Der dominante Ausdruck ist musikalisch und inhaltlich geprägt von einem gesunden Fatalismus. Wenn der Shizzle untergeht, dann geben wir vorher noch unseren Senf dazu und haben mächtig Spaß. Dass das Biz eh irgendwie am Arsch ist, gibt PABST die Freiheit für redlich viel Spielerei, abgespacte Interludes und die Ungewissheit, ob wir im geschmeidigen „Happy Birthday You’re Not A Fighter“ einen Tinnitus oder Meeresrauschen hören.
„Nothing is alright, ‚cause you’re in a fight, and you’re not a fighter“, genau diese Ambivalenz zwischen Realitätscheck und Kopfstreicheln machen PABST von jeher aus. „Destroy Everything“, auch wieder ein Hit ohne Wenn und Aber, blüht gerade wegen der smart orchestrierten Gegensätze und dem perfekten Stopp nach guten zweieinhalb Minuten. Wer baut die Zeitmaschine, mit der die Band den verdienten Ruhm einfahren kann?
PABST liefern Extraklasse – wie immer!
Dass PABST mittlerweile erfreulich wenig vom Berliner Schmäh haben, wird im Feature „Big Big Heart feat. SNAKE EYES“ klar. Etwas spät, aber absolut stilsicher springt die Band auf den britischen Groovetrain auf, bei dem der Rhythmus über allem steht. Will nicht heißen, dass PABST den Trick nicht schon vorher beherrscht haben, aber eben nicht in dieser Vehemenz („(No) Taking It Slow“). Welche Lehren sie aus der Tour mit BILLY TALENT gezogen haben, lässt sich 1:1 über „Orca Whale“ nachvollziehen.
Was will man so einer Band wünschen? Einer, die eh schon immer alles richtig macht, musikalisch, inhaltlich und auch grafisch und visuell nur Premiumware schickt? Na, bleibt doch eigentlich nur noch eine Audienz, die schnallt, dass this halt eben nicht normal ist. PABST liefern Extraklasse – wie immer!
Dauer: 41:43
Label: Alcopop! Records
VÖ: 28.11.2025
Tracklist „This Is Normal Now“ von PABST
Limbo No. 5
Cool Car, Stupid Decisions
I Felt All There is to Feel ft. DZ DEATHRAYS
Song on the Radio
Twenty Three ft. BLUSH ALWAYS
Happy Birthday (You’re not a Fighter)
Heavy Metal Junk Island
Big Big Heart ft. SNAKE EYES
(No) Taking it Slow
Destroy Everything
Orca Whale
Prepaid
This is Normal Now (Outro)
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