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Pascale Hugues – So voller Leben: Über meine Mutter – Review

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© Dagmar Morath

„So voller Leben: Über meine Mutter“ von Pascale Hugues nimmt einen mit auf eine bewegende Reise, die von Melancholie ausgeht und allmählich in Trost mündet. Das Buch beginnt bedrückend: Die Depressionen und der Freitod der Mutter Yvette stehen im Zentrum. Durch Erinnerungen und Anekdoten versucht die französische Bestsellerautorin, ein schärferes, umfassenderes Bild von ihr zu bewahren. Geboren 1929 in Colmar, wächst ihre Mutter von Anfang an zwischen den Welten auf – gezwungen, Nationalitäten und Sprachen zu wechseln, sich immer wieder neu anzupassen, ja sogar von der Links- zur Rechtshänderin umtrainiert.

Ein Leben, das früh von Veränderung, Fremdbestimmung und dem Gefühl geprägt ist, nie ganz richtig zu sein. Trotz des bekannten tragischen Ausgangs hinterlässt die knapp 200 Seiten lange Lektüre am Ende eine unerwartete Ruhe, schmerzlich und zugleich versöhnlich.

Stets in der behutsamen Beobachterrolle

Yvette Pascale Hugues schildert uns in „So voller Leben: Über meine Mutter“ einerseits den Blick, den sie als Kind oder Jugendliche auf die Situation hatte. Gleichzeitig ordnet sie die Krankheit der Mutter, den Umgang der Familie damit und die Auswirkungen auf sich selbst aus der Perspektive der Erwachsenen ein. Dabei bleibt sie stets in einer behutsamen Beobachterrolle, wertet wenig und schafft damit etwas beinahe Unmögliches: Sie nimmt die Dinge an, wie sie sind.

Eindrucke so schwer wie Wackersteine

Es gelingt der Autorin, ihre Eindrücke so präzise zu fassen, dass sie einem schwer wie Wackersteine auf die Seele fallen. Wenn ihre Mutter für längere Zeit in Behandlung musste, schob der Vater den Grund vor, sie sei „in den Spiegel gefallen“ – eine Ausrede, deren Tragweite sich erst rückblickend erschließt. Auch die Tatsache, dass manche Familienmitglieder den Zusammenhalt weniger prägen als andere, hält sie nüchtern fest. Zwischen all den dunklen Tagen ihrer Mutter, in einer Zeit, in der psychische Erkrankungen tabuisiert wurden, erinnert sich Pascale Hugues zugleich an viele helle Momente: an ihr feministisches Engagement, ihren Freiheitsdrang und das ständige Schwanken zwischen den Extremen. Zwischen Dunkelheit und Licht entsteht etwas wie Frieden.

Leiser und respektvoller Trost

Man spürt in „So voller Leben: Über meine Mutter“ dennoch eine feine Schutzschicht, die die Autorin zwischen die Zeilen und ihre Trauer gelegt zu haben scheint. Am Ende bleibt die Mutter fast schattenhaft – ein vernebeltes, nicht ganz greifbares Wesen, das seine Visionen nicht zu Ende denken und ausleben konnte. Und doch ist man dankbar, wie die Autorin sie Seite für Seite zum Leben erweckt, ihr Facetten verleiht und ihr so einen leisen, respektvollen Trost entgegenbringt.

Seiten: 208
Verlag: Rowohlt
ISBN-10: 3498008455
ISBN-13: 978-3498008451
VÖ: 13.03.2026

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