Pogendroblem – Great Resignation – Review
Da POGENDROBLEM von Anfang an alles irgendwie anders als die anderen gemacht haben, erwartet man nun von „Great Resignation“ wieder etwas Besonderes. Frei nach dem Prinzip der Hero Turtles schien das Quartett immer auf der Lauer und immer etwas schlauer. Beim ersten Durchgang von „Great Resignation“ denkt man eher an Stagnation und fragt sich, ob die Idee von politischen Veränderungen durch Beharrlichkeit und Aufklärung überhaupt noch in die aktuelle Zeit passt.

Mehr Kleinklein, weniger Weltpolitik
Brotmaschinen als Soundschnipsel, überfallartige Techno-Szenen und keck geäußerte Thesen von der Reichensteuer – das bleibt vom letzten Album „Alles was ich noch habe sind meine Kompetenzen“ vorrangig im Ohr. „Great Resignation“ schickt als ersten Vorboten „Die Sache“ und stellt damit die elementare Frage: Worum geht es hier überhaupt? POGENDROBLEM beziehen das dieses Mal nur auf ihren Szenekosmos, deuten auf Selbstausbeutung hin und setzen damit ein Schlaglicht auf einen vermeintlichen Nebenschauplatz, während es rundum lichterloh zu brennen scheint.
Gitarren und Drums agieren übersteuert, der unterschwellig resignierte Unterton ist nicht zu überhören. Im Verlauf der Platte blitzt die Akzeptanz des Unabänderlichen immer wieder auf. Gleichzeitig sind POGENDROBLEM so versöhnlich und zugänglich wie nie zuvor. Mäandernde Gitarren lenken den Fokus weg von großer Politik, Veränderung und Wut. Kleinklein rückt in die Mitte, der Wunsch nach Durchatmen und einem seicht dahinfließenden Leben („Starke Schmerzen“). Selbst das polternde „Praxis ohne Theorie“ verbündet sich mit Chören und ergibt sich sogar einem formelhaften Wohooo-Chor.
Alles anders, alles richtig?
Im rock’n’rolligen „Es kann nicht immer so weitergehen“ zieht Benta dem Punk endlich mal wieder den Stock aus dem Arsch. Ja, Leute: Annette Benjamin ist zurück (Ding Dong!) – und endlich merkt man es auch mal wieder. Das beinahe mantrische Wiederholen des Refrains hat im Endeffekt mehr Wirkung als hochkomplexe Texte, die ein abgeschlossenes Masterstudium voraussetzen. Auch „Sell Checkout“ schlägt in diese Kerbe und weckt den Wunsch, den Erwartungen eigenwillig und unbeeindruckt zu widersprechen. Georg flankiert auch auf Great Resignation mit seiner bemerkenswerten Ausdrucksweise. „Dreißig werden, untergehen“, so heißt es in dem zynischen Song „Unser Jahrzehnt“; überlagert wird der klassische Punksong dann von dystopischen News-Fetzen. Dass er das Wort „wir“ im prägnanten Satz „… entscheiden wir, wie es ausgeht“ eher fragend betont, ist kein Zufall.
Vom Vorkauen zum Selberdenken
Es wirkt, als hätten POGENDROBLEM dieses Mal mehr für sich und weniger für andere getan und ihren (krampfhaft von außen zugeschriebenen) zu leistenden Anteil am großen Ganzen in die zweite Reihe gestellt. Vieles auf „Great Resignation von POGENDROBLEM“ führt nirgendwo hin – und das ist auch genau richtig so, entspricht dem Grundgedanken des bedienten Genres. Indem die Band uns den Weltschmutz nicht mehr vorsetzt, zwingt sie uns zum eigenen Denken – und genau das ist der Schlüssel zur Veränderung.
Dauer: 26:58
Label: Kidnap Music
VÖ: 10.10.2025
Tracklist „Great Resignation“ von POGENDROBLEM
Great Resignation
Es kann nicht immer so weitergehn
Unser Jahrzehnt
Kruste
Die Sache
Self Checkout
Praxis ohne Theorie
Chillig Chillig
Alles oder Nichts
Starke Schmerzen
Stillstand
Von gar nichts haben wir uns befreit
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