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Pretty Lightning – Dust Moves – Review

PRETTY LIGHTNING nehmen sich mit ihrem aktuellen Album “Dust Moves” ganz schön viel Raum. Satte 43 Minuten ungerade, dafür verzichten sie mit ihrem Soundgebräu aus Drone, Blues, Psych und Western aber auf Gesang und Text. Was bei dieser Fülle an Eindrücken eine wirklich gute Idee ist. Unterm Strich steht dann ein ziemlich psychedelischer Trip, mit Rock in der Basis und dem Anspruch, uns von Zwängen und Erwartungen zu entkoppeln.

Tatsächlich lässt es sich zu dem organischen Sound ganz gut wegträumen und man kommt auf andere, bessere Gedanken. Irgendwas kalibriert sich neu und öffnet die Denke für die vielen Details, die PRETTY LIGHTNING in ihrer Musik versteckt haben.

PRETTY LIGHTNING, 2022

Seitwärst laufende Krebse, statt an die Wand donnern

Mit “Dust Moves” sind PRETTY LIGHTNING ganz sicher nicht nah am Puls der Zeit. Eigentlich meilenweit davon entfernt. Eigentlich sollten sie es aber sein, damit sogar einen neuen Trend lostreten. Denn Musik kann beruhigend sein und eine meditative Wirkung entfalten. Und zwar ohne, dass irgendeine Müsli-Anja oder ein Yoga-Klaus uns ins Ohr hauchen, dass wir uns jetzt bitte gleichzeitig (!) leicht und schwer machen sollen. In “Gewgaw For Beginners” wird man kurz an Bands wie ODD COUPLE und deren vermeintliches simples und Rhythmusbetontes Vorgehen erinnert.

Statt der von den Wahl-Berlinern offerierten Wand, kommt bei PRETTY LIGHTNING aber etwas ganz Anderes. Soundüberlappungen oder Melodien, die seitwärts wie Krebse einlaufen. “The Secret Is Locked Inside” wäre für abseits der Norm denkende Lehrkräfte ein herrliches Stück zum Einstudieren für die Musik-AG, empfiehlt sich aber auch für die Untermalung einer Reitszene in einem langatmigen Italowestern.

“Creation Of A Cavity” klingt wiederum wie das wahnwitzig in seine Mikroteile ausformulierte Tropfen eines Wassehahns und dann den finalen Aufschlag des Wassers. Es verhält sich mit “Dust Moves” so wie mit dem Artwork. Man meint genau zu wissen, was man sieht und somit was einen erwartet. Aber bist du dir wirklich absolut sicher? Dinge selbst zu denken und neu zu deuten, war noch nie verkehrt.

Um zu spielen, muss man das Prinzip verstehen

Am Sound basteln, mit dem Sound spielen, beides sind ganz sicher Ansprüche von PRETTY LIGHTNING an “Dust Moves”. Die Kompositionen folgen keinem üblichen Schema, man würde sie zwar als kreativ, aber vorrangig als verspielt und experimentell bezeichnen. Entgegen der meisten anderen instrumentalen Bands kommen PRETTY LIGHTNING gut auf den Punkt und schweifen nie unnötig ab. Schnell versteht man als Hörerin oder Hörer, worauf der Songs hinaus möchte. Man kann dessen Schwingungen aufnehmen oder eben einfach auf den nächsten Treffer warten.

“Dust Moves” ist kein Album für die Charts, eher eines für diejenigen, die Musik mit ihren vielseitigen Effekten bereits verstanden haben. Vorteil und Nachteil der Platte ist, dass man sich leicht darin verliert. Aber dieses ambivalente Gefühl zwischen anregen, entspannen und aufwühlen, ist schon besonders. Von daher unbedingt mal anchecken, am besten mit dem drückenden “Splinter Bowl”, dem mächtigen “Powdermill” oder dem verschrobenen “Gewgaw For Beginners” herantasten.

Dauer: 43:42
Label: Fuzz Club
VÖ: 29.02.2022

Tracklist “Dust Moves” von PRETTY LIGHTNING
Glide Gently (Into The Chasm)
Gewgaw For Beginners
Sediment Swing
The Secret Is Locked Inside
Thunder Egg
Myth Glyph
Crystal Waltz
The Slow Grinder
Splinter Bowl
Creation Of A Cavity
Purple Grit
Density And Patterns
Powdermill
Enchanted Debris

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