Qwälen – Veri Virtaa Edelleen – Review
Die Finnen von QWÄLEN beweisen mit ihrer Platte „Veri Virtaa Edelleen“, dass Black Metal schon lange nicht mehr per se mit entsprechenden politischen Meinungen verknüpft sein muss. Glücklicherweise geht das nicht zu Ungunsten von Härte, Geschwindigkeit und Grobheit. QWÄLEN verzichten auch auf Auflockerungen durch Shoegaze- oder Post-Elemente; stattdessen rammen sie uns ihre Kompositionen ungebremst vor den Kopf. Dabei setzen sie stetig Akzente, sodass „Veri Virtaa Edelleen“ nicht eindruckslos durchsickert, sondern Spuren hinterlässt.

Einmal grob mit Seele, bitte
„Veri Virtaa Edelleen“ hat durchaus einen hohen Anspruch und wirbelt den Black Metal mit Fragmenten von Punk kräftig durcheinander. In Songs wie „Kahleet“ trifft die Band den perfekten Mittelweg. Einerseits melancholisch und klirrend kalt, andererseits elegisch und mit dem notwendigen Druck ausgestattet, ergießt sich hier ein dunkles Abenteuer. Innerhalb eines Songs kann sich bei QWÄLEN durchaus viel tun.
Zwischen Frost und Raserei
Ohne sonderlich innovativ zu sein, verweben sie unterschiedliche Tempi mit verschiedenen Atmosphären. „Kiviä ja luita“ startet beinahe hardrockig, wandelt sich dann zu feinstem Crust mit Spuren von Punk und eindeutig gutturalem Black-Metal-Gesang. „Veri Virtaa Edelleen“ ist in keiner Sekunde rumpelig, dennoch wurden an verschiedenen Stellen Schrammen hinterlassen, die der Platte eine gewisse Authentizität verleihen. Glatt gezogen oder auf Effekt angelegt ist hier nichts.
Düstere Themen ohne politische Agenda
QWÄLEN positionieren sich deutlich gegen Faschismus, was jedoch nicht bedeutet, dass „Veri Virtaa Edelleen“ eine politische Agenda verfolgt. Tod, Teufel, Verderben und innere Konflikte sind die Themen, die die Band bewegen. Natürlich sind diese Bilder eher Metaphern für die Verrohung unserer Gesellschaft und eine satanistische Grundhaltung, nach der keine höhere moralische Instanz über den Menschen gestellt wird. Die Idee, dass wir unsere Götter selbst erschaffen und uns damit im übertragenen Sinne selbst verknechten, ist interessant.
Ein Finale wie ein Schlachtfeld
„Veri Vastaa“ entfaltet durch den schleppenden Takt im Zusammenspiel mit dem keine Sekunde nachlassenden Kreischen eine ganz besondere Sogwirkung. Die Gitarren treiben diese weiter voran und lassen den Song dramatisch anschwellen. Ohne Hast geht die Band hier enorm in die Tiefe – das hat schon Klasse. Im finalen „Kuolleet Jumalat“ ziehen QWÄLEN noch einmal alle Register: Gitarren, Bass und Drums liefern sich eine wahre Schlacht aus wechselnden Attacken und münden in ein fast dramatisches Finale. Ob wir uns am Ende oder am Anfang von allem befinden, lässt die Band offen. Akustikgitarren und Krächzen haben das letzte Wort.
Wer Black Metal versteht, wird „Veri Virtaa Edelleen“ wertschätzen.
Dauer: 45:02
Label: Time To Kill Records
VÖ: 06.03.2026
Tracklist „Veri Virtaa Edelleen“ von QWÄLEN
Hunnutettu maa
Matala hauta huutaa
Kahleet
Uusi nahka
Kiviä ja luita
Pirujen illallinen
Veri vastaa
Kuolleet jumalat
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