Rat Boy – CRASH! – Review
Auch mit ihrem mittlerweile vierten Album „CRASH!“ geht die britische Punkrockband RAT BOY produktionstechnisch in die Vollen. Nachdem das gefeierte Debüt von Stephen Street produziert wurde, entstand der Nachfolger nun im Garten von Suzi Quatro gemeinsam mit Tim Armstrong (u. a. RANCID). Dass erfahrene Musikerinnen und Musiker das Songmaterial der Band schätzen, liegt nicht nur daran, dass RAT BOY den Punk der guten alten Schule zocken, sondern auch an dem bemerkenswerten Songwriting, das wirklich kein Gramm zu viel dranlässt.
Schön viel Bums auf den Bass, herrlich rollende Melodien und genau die richtige Prise Schmackes; an „CRASH!“ gibt es wenig zu mäkeln. Ska, Britpop und Hip-Hop finden sich auf „CRASH!“ nicht mehr, RAT BOY konzentrieren sich auf die Basis und verzichten auch auf Ausreißer Richtung Hardcore.

Songs wie früher mit der Lust auf morgen
RAT BOY strecken sich mit „CRASH!“ also in viele Richtungen und erfreuen unterschiedliche Zielgruppen. Sie beweisen, dass der traditionelle Sound auch heute noch sehr gut funktioniert, wenn man ihn mit der richtigen Dynamik darbietet. Revolution und Aufmüpfigkeit dürfen auch Spaß machen und gerne Harmonien herausstechen lassen. „CRASH!“ ist kein Album, das Mauern einreißt, eher eines, das frech die Zunge herausstreckt und maximal kurz den blanken Po zeigt. Dass die Platte tatsächlich in einem Schuppen im Garten, also in einem Holzraum ohne Dämmung, aufgenommen wurde, hat ausnahmslos Vorteile.
Man merkt RAT BOY die Spielfreude an und „CRASH!“ hat sich den Livecharme und eine gewisse Ruppigkeit bewahrt. Trotzdem scherbelt hier nichts, beim Zuhören fehlt lediglich die gewisse Sterilität und Krampfigkeit, die in einem Studio entstehen kann, wenn man eigentlich rebellische Musik spielen will. Immer wieder lässt die Band Leerräume entstehen, schiebt ein Instrument nach vorne, lässt es glänzen und eskaliert dann wieder gemeinsam.
Effektive Rebellion mit vielen Details
Lediglich ein Song auf „CRASH!“ kratzt die Drei-Minuten-Marke, alle anderen Lieder rollen RAT BOY schnell über die Zielgerade – und zwar, ohne dass etwas fehlt. Trotzdem gelingt es ihnen, Ohrwürmer zu etablieren, die man schon nach einem Durchgang nicht mehr vergisst. Jeder Song hat eine kleine Besonderheit: ein prägnantes Riff, ein Glockenspiel („The River“), einen tricky Hall, folkige Szenen („Nightbus“) oder einen besonders klebrigen Refrain („High Life“). Dieses geraffte und absolut auf das Wesentliche konzentrierte Songwriting tut dem Album sehr gut und sorgt dafür, dass trotz praller 18 Songs keine Längen entstehen. Mit „Blind“ findet sich sogar ein Song auf der Platte, der klingt, als sei er aus der Aufnahmesession von GREEN DAYs „Dookie“ übrig geblieben.
Eine Platte, die Spaß macht
Jordan Cardy trägt jede einzelne Facette mit seinem herrlich nuancierten Gesang, der irgendwo zwischen trotzig und melodiös changiert und in jeder Sekunde bemerkenswert präsent und selbstbewusst wirkt. Die Entwicklung von seinem Projekt, das er alleine bei sich daheim startet, hin zu einer vollwertigen Band, ist enorm, hat RAT BOY vollkommen zu Recht in alle Ecken der Welt geführt. „CRASH!“ geht jeglicher nostalgische Unterton ab, RAT BOY spielen den Punk ganz selbstverständlich so wie früher, und das macht mordsmäßig Spaß.
Dauer: 41:30
Label: Hellcat Records / Indigo
VÖ: 26.06.2026
Tracklist „CRASH!“ von RAT BOY
Broken
High Life
Awaydays
Baseball Bat
Gun To My Head
Sick of It
City Boys
Public Warning
The River
Skeletons
Nightbus
Blind
Make Me Stay
SOS
Deadend
Arrested Development
Reason
No Stars
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