Lest die Review zu "Fallen und Schweben" von RAUCHEN bei krachfink.de

Rauchen – Fallen und Schweben – Review

Mit dem Albumtitel „Fallen und Schweben“ suggeriert die Hamburger Band RAUCHEN eine möglicherweise positive Wendung in der Abgefucktheit der Dinge. Stachelig und ungeschliffen führen sie uns den Ist-Zustand gemessen an Grindcore-Punk und Dampfhammer-Grunge vor Augen. In seiner Brachialität passt „Fallen und Schweben“ inhaltlich und musikalisch in die Gegenwart. RAUCHEN tragen das Material allerdings schon etwas länger mit sich herum und sind den dunklen Wolken damit leider weit voraus. Der dumpf-dichte Abgesang bemüht sich um eine hoffnungsvolle Note, würgt diese allerdings selbst zu Tode. Ohne Lächeln, ohne Augenzwinkern.

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RAUCHEN, Copyright by Oyèmi Hessou

Lethargie vertont – zwischen Grindcore und Poesie

Musikalisch ist „Fallen und Schweben“ von RAUCHEN eher mit Tendenz zu NAPALM DEATH gedacht. Durchdachte Texte mit teils poetischem Aufbau und eine Darstellung aus der Vogelperspektive. Die Kompositionen manifestieren die Lethargie, Bass und Drums bauen unverrückbare Drohgebärden auf. „Fesseln“ stürmt los, will sich freistrampeln und verfängt sich dann doch im wütend blubbernden Morast. „Es fühlt sich nicht so an“ und „Stachel“ gaben schon vor Monaten einen treffenden Vorgeschmack darauf, dass RAUCHEN eine bemerkenswerte und vor allem aus dem starren Punk-Korsett ausbrechende Platte machen werden. Der Gesang massiert die Herzen mit der Drahtbürste und lässt keinen Zweifel daran, dass hier schon essentielle Komponenten zersplittert wurden. „Fallen und Schweben“ ist nicht prophetisch, sondern im besten Fall noch reflektiv.

Wenn Härte plötzlich hypnotisch wird

Was also tun mit den harten Emotionen, die „Fallen und Schweben“ von RAUCHEN triggert? Theoretisch gibt uns die Band damit einen Schubs in den offenen Schlund. Aber weit gefehlt: Das hypnotische „Flimmern“ kalibriert alle Sinne, triggert genau da, wo sich noch etwas fühlen lässt. Wenn die Gitarren dann ihre angerissenen Powerchords ins vermeintliche Nichts schicken, passiert etwas in Kopf und Herz. RAUCHEN sind düster, scheinen desillusioniert, aber ihre Art, das in Musik zu transferieren, verfängt unheimlich. Ihre Kreativität ist nicht komplex, ihre Soundideen nicht bahnbrechend.

Es geht um die vielbemühte Glaubwürdigkeit und um die Tatsache, dass man so etwas schlecht faken kann. Der hitzige Post-Punk-Song „Nacht“ wirkt wie ein Umherirren durch ebendiese. Eine Mischung aus Beklemmung und dem Gefühl, endlich ein Ventil für das ewige Rotieren im dunklen Looping zu haben.

Hoffnungsschimmer oder Tiefschlag? RAUCHEN bieten beides

Mit dem gesprochenen „Desfred“ spielen RAUCHEN auf die wahrscheinlich deprimierendste Serie „The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd“ an. Damit treffen sie genau den Kern von „Fallen und Schweben“. Vieles ist furchtbar, aber wir trauen der Welt mittlerweile zu, noch viel ekliger werden zu können. Der Schritt nach hinten ist bereits im Schwung, die Kräfte scheinen zu schwinden. Vergnügungssteuerpflichtig ist die neue Platte von RAUCHEN mit Sicherheit nicht. Daran ändert leider auch der abschließende Titelsong nichts. Mit einem warmen Einstieg deutet die Band eine „Sicht auf Lösung“ an, letztendlich prügelt uns das Finale wieder mit dem Kopf nach vorne in die harte Erde.

Dauer: 24:20
Label: Zeitstrafe / Indigo
VÖ: 26.09.2025

Tracklist „Fallen und Schweben“ von RAUCHEN
Isolation
Fesseln
Es fühlt sich nicht so an
Sturm
Flimmern
Stacheln (Remix)
Nacht
Desfred
(Das) Brennen
Fallen und Schweben

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