Remo Drive - Natural Everyday Degradation Coverartwork

Remo Drive – Natural, Everyday Degradation – Review

Die Band REMO DRIVE, bestehend aus den Brüdern Eric und Stephen Paulson, veröffentlicht ihr zweites Album. Auf den dicklippig betitelten Erstling “Greatest Hits” folgt nun die “Natural, Everyday Degradation”. Das Einzige, an dem sich bei REMO DRIVE wahrscheinlich die Geister scheiden werden, wird wohl der etwas schnakige Gesang sein. Er klingt wie eine Kreuzung aus Myles Kennedy, Stefan Babcock (PUP), Laura Jane Grace (AGAINST ME!…), Brian Molko (PLACEBO) und Ezra Koenig (VAMPIRE WEEKEND)… das muss man schon mögen und fast 40 Minuten “aushalten” können. Musikalisch hingegen sind REMO DRIVE unfassbar breit aufgestellt. und undiskutabel gut. Mühelos zwischen Emo-Punk, Emo-Pop, Post-Hardcore, Post-Punk und Indie Rock pendeln, decken die beiden Musiker alles ab. Und zwar nicht nur um des Abhakens Willen, sondern weil es einfach super harmoniert und sich die beiden ganz organisch daraus ihren eigenen Sound geschmolzen haben.

REMO DRIVE überzeugen mit “Just the two of us”

Grundsätzlich gerät man mal gerne (auch mal vorschnell) ins Schwärmen, wenn Duos auffällig gute Musik machen (TENACIOUS D., MANTAR…) – Wow, zwei Menschen machen so viel Lärm wie ein Quartett?! Auch bei REMO DRIVE machen sich deren minimale Besetzung, die live natürlich aufgestockt wird, in den ungewöhnlichen blind aufeinander abgestimmten Kompositionen deutlich bemerkbar. “Ezra and Marla”, “The Grind”, “Mirror” oder “Around The Sun” sind bemerkenswert freie Songs, die sich immer wieder eine Stufe weiter nach oben schaukeln und vollkommen fernab von Schema F direkt aus dem Bauch heraus musiziert sind. Manche Instrumentierungen (“Halo”, “Two Bugs”) sind wiederum fertige Songvorlagen für Post-Hardcore-Schwergewichte wie TOUCHÈ AMORÈ oder LA DISPUTE. Doch REMO DRIVE füllen die Lücken nicht mit wehklagenden Herzschmerz-Vocals aus und dichten sie eher mit Watte ab. Schneiden die Fesseln dann einfach durch und lassen die Kompositionen lautlos davon schweben…

Remo Drive, Bandfoto 2019

“Natural, Everyday Degradation” lässt sich nicht wirklich festbinden, alles scheint so vergänglich und nur für den Moment bestimmt. “The Grind” (mein Highlight der Platte) ist ein Liebeslied an das Bandleben. Über den Punkt ab dem das ständige Aufeinanderhocken die Mitglieder mit Gewalt dazu zwingt, sich wie eine Familie zu verhalten. Unter den daraus entstehenden Spannungen kreativ zu sein und sich trotzdem noch frei zu fühlen, das ist nicht immer einfach.

Schräger Vogel bleibt schräger Vogel

Irgendwie klingen REMO DRIVE entrückt und introvertiert, manchmal fühlt man sich als Hörer wie ein Störenfried, jemand der ungewollt zuhört. Diese intimen Momente machen die Band besonders, lassen über so manchen “schiefen Ton” und über ganz kleine Längen in einzelnen Songs hinwegsehen. Aber auch ohne wirklich nennenswerte Divergenzen – kein ausbrechendes Gebrülle, kein nerviges Gezucke und keine ausufernden Frickelpassagen – sind REMO DRIVE auch auf “Natural, Everyday Degradation” wieder so speziell, dass man sich sicher sein kann, dass die Band nur für mich und ein paar andere Spinner spielen wird. Zu wenig Boygroup, zu wenig Mainstream – ich lieb’s.

Für Leute die, …
auf Authentizität Wert legen.

Tracklist “Natural Everyday Degredation” von REMO DRIVE
Two Bux
The Grind
The Devil
Shakin’
Dog
Separate Beds (We’ve Got A Good Thing)
Ezra And Marla
Halos
Around The Sun
Mirror
The Truth

Dauer: 38:36
Label: Epitaph Europe / Indigo
VÖ: 31.05.2019

REMO DRIVE bei Facebook

Gar nicht festlegen lassen sich auch ANGEL DU$T, die Review zum Album “Pretty Buff” findet ihr hier.

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