Pabst – Chlorine – Review

PABST aus Berlin, das sind Tore, Tilmann und Erik. Und alleine, um das auf die Kette zu kriegen (Pabst mit B, Tore ohne h, Erik mit k und nicht mit c, Tilmann mit nur einem l), muss man schon mitdenken. Deren Debüt “Chlorine” ist deutlich weniger kompliziert, aber äußerst gehaltvoll und gerade wegen dem Blick in den musikalischen Rückspiegel sehr nachhaltig. Nach dem leicht verruchten Einstieg in “Vagabondage” – lässt sich auch live gut als Intro strecken, wenn man mit der Technik was schief läuft – wirft der Dreier die hauseigene Rhythmusmaschine an. In klassischer Besetzung zaubern die Drei einen eingängigen Song nach dem anderen aus dem Hut.

Dreier sind einfach die Besten

Das folgende “Shake the Disease” – alle Fans von DEPECHE MODE kriegen genau jetzt Schnappatmung – tänzelt komplett entspannt durch die Revolution. Ohne jegliche Aufregung zetteln PABST eine kleine Anarchie an. Macht doch alle wie ihr wollt, aber bitte keinen Stress und immer schön durch die Hose atmen. Die entspannte und maximal zurückgelehnte Art von Tore, Tilmann, Erik trägt maßgeblich dazu bei, dass “Chlorine” so schnell aufzunehmen ist. Einfach laufen lassen, losgelöst von Zeit und Genre. “Waterslide” schiebt sich wie ein gefräßige Raupe in den Raum, saugt alles auf und macht sich überall breit. Wo andere Bands jetzt hochtrabende Inhalte platziert und den Psychedelicjoker gezogen hätten, kontern PABST mit der (simplen) Frage, ob jemand Bock auf (die) Wasserrutsche (des Lebens) hat. Musik muss nicht immer Raketenwissenschaft sein, ganz im Gegenteil. Und einfach geht manchmal schwerer als kompliziert. “Waiting Loop” schließt an das Intro “Vagabondage” an, PABST schlängeln mit der gemütlichen Schlagzahl eines guten Ruhepuls aus der Anlage und kauen auf einer guten Textzeile herum. Der Gesang von Erik ist besonders und genau deshalb Geschmackssache. Leicht näselnd, spitz und vom Vortrag her zurückgenommen und trotzdem selbstbewusst.

Energie umständehalber abzugeben

PABST klingen so gar nicht statisch, alles ist im Fluss, alles scheint sich zu drehen und die Platte ist ohne Unterlass in Bewegung. Trotzdem ist die Energie nicht aufdringlich und schon gar nicht nervig. “Chlorine” von PABST ist im besten Sinne planlos. Nicht nur das hüftenschwingende “Cheapskate” und der Grungekracher “Commitment Issues” sind komplett aus der Zeit gefallen. Und trotzdem klingt hier nichts retro oder erzwungen nostalgisch. Während im letzten Jahr bei Erwähnung von PABST noch einige Fragezeichen auftauchten, hat die Band gerade den großen BOB MOULD auf Tour begleitet. Warum? Weil er es wollte. Wer jetzt wirklich noch Fragen hat, soll bitte weiter Formatradio hören.

Für Leute, …
die auch gerne mal von hinten um die Ecke angestubst werden.

Tracklist „Chlorine“ von PABST
Vagabondage
Shake the Disease
Shits
Perfume
Waterslide
Waiting Loop
Accelerate
Cheapskate
Catching Feelings
Commitment Issues
Summer Never Came

Dauer: 35:28
Label: Crazysane Records
VÖ: 06.07.2018

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