Ritual – Songs For The Haunted – Review
Selbstverständlich geht das krachfink.de-Jahr niemals zu Ende, ohne eine Review zur Platte „Songs For The Haunted“ von der Hardcore-Instanz RITUAL. Nach 14 Jahren Abstinenz darf sich die Band gut und gerne Überlänge gönnen und den üblichen Hardcore-Rahmen von 30 Minuten sprengen. Das ergibt sich aus der Qualität und Tiefe der dreizehn Songs und ist vollkommen berechtigt. Lupenreiner Hardcore ist das nicht, mit dem wir es hier zu tun bekommen, international wettbewerbsfähig ist die Comeback-Platte allemal.

Hymnen für ruhelose Seelen
Emotional ist „Songs For The Haunted“ von RITUAL ein ziemliches Brett, das ergibt sich durch die Ambivalenz und das Gefühl, etwas Echtes zu hören. Textlich sind RITUAL verhältnismäßig klar, brechen Erkenntnis maximal herunter und legen dann all ihren Schmackes in die Repetition und daran anknüpfende Eskalation. Julian Laur de Manos Gesang ist atemberaubend. Mal malträtiert er seine scheinbar blutenden Stimmbänder, und im nächsten Moment bettet er uns metaphorisch in Watte und zaubert pure Harmonie.
„Songs For The Haunted“ lebt auch von den Details wie der Percussion des sich im Refrain befreiend ergießenden „In The Rain“ oder dem in aller Ruhe seine Atmo-Schichten aufbauenden Schlagzeug in „Violent Minds“. Das von hellem Chor flankierte „For The Haunted“ ist eine kurios kombinierte Ode an die, die hadern, für alle ruhelosen Seelen.
RITUAL zwischen Western und Wucht
RITUAL haben mit „Songs For The Haunted“ einen echten Grower hingelegt. Überheblicherweise meint man nach dem ersten Durchlauf, alles zu kennen. Been there, done that. Erst nach und nach fügen sich die Splitter von Western in den Gitarren und die beinahe schon pedantische Abstimmung von Text und Musik zusammen. „Shadow Of Doubt“ schleudert uns, ebenso wie das unangenehm beißende und scharf im Bauch brodelnde Zweifeln, hin und her.
Das Finale kanalisiert alles Negative und bietet Möglichkeit zur Entladung. Während Julian gegen die imaginäre Wand anbrüllt, gibt Philipp Wulf (MESSER) Schützenhilfe, gemeinsam wird das Schattenmonster zu Fall gebracht. Das anschließende „Perfect Picture“ geht genau den gegensätzlichen Weg, schlägt die trügerisch harmonischen Gitarrenmelodien mit einem rüttelnden und brüllenden C-Teil zu Brei.
Kein schneller Treffer, sondern nachhaltiger Trost
Die Tatsache, dass „Songs For The Haunted“ von RITUAL einem nicht mit dem nackten Arsch ins Gesicht springt, könnte ein Nachteil sein. Wer sich die Mühe macht und der Platte die Zeit zum Blühen gibt, wird mit einem mächtigen Tröster beschenkt werden.
Dauer: 42:47
Label: Through Love Rec.
VÖ: 26.09.2025
Tracklist „Songs For The Haunted“ von RITUAL
Head to Your Fist
There’s Only Us
The Silver Lining
In the Rain
Shadow of Doubt
Perfect Pictures
Sleeping Ghosts
Violent Minds
Trust
For the Haunted
Bones in the Gears
Into the Light
Final Hour
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