Lest die Review zum Klassiker "Warm, In Your Coat" von ROMEO VOID bei krachfink.de

Romeo Void – Warm, In Your Coat – Review

Das Album “Warm, In Your Coat” von ROMEO VOID ist eine Zusammenstellung der zwischen 1980-1984 aufgenommen Songs der amerikanischen New Wave/Post-Punkband. Abgesehen von ihren bekannten Hits “Never Say Never” und “A Girl in Trouble (Is a Temporary Thing)”, vereinen sich dort popkulturell relevante Kompositionen, die man kennen sollte und die vor allem auch heute nichts von ihrem Charme eingebüßt haben.

Abgesehen von der grundsätzlichen Stilausprägung, laufen hier auch Ansätze von Funk und Jazz mit rein, was für einen längst vergessenen, tanzbaren Groove sorgt. Auch das Saxofon, in den Neunzigerjahren durch den inflationären Einsatz gebrandmarkt, wurde damals noch ansprechend integriert und hatte tatsächlich einen sublimierenden Effekt.

Gesang, der schillert

Gerade in Songs wie “Just Too Easy” oder “Wrap It Up” erzeugen ROMEO VOID durch den Einsatz unterschiedliche Instrumente einen ganz besonderen Sound, der in den heutigen Ohren beinahe wie ein irrer Mash-up klingt. Der Opener “White Sweater” oder “Chinatown” sind dann wiederum eindeutige Post-Punksong, deren Schillern vorrangig durch den grandiosen Gesang von Debora Iyall entsteht. Dauerhaft präsent zeigt sie nahezu alle Facetten, die man stimmlich und gesanglich vorstellen kann. Kreativ verspielt, knurrend, lasziv, rockig und aufgedreht oder harmonisch und emotional einnehmend (“Flashflood”, “One Thousand Shadows”) – sie hält die komplette Palette in ihren Händen und pointiert jede Komposition auf andere Art und Weise.

Bassist Frank Zincavage sieht sofort die Lücken, in die er sich setzen kann, weiß genau, wann er flankieren und wann ihre Performance lediglich akzentuieren muss. Der Variantenreichtum des Drummings resultiert allerdings aus einer Dreifach-Besetzung. John Haines, Larry Carter und Aaron Smith teilten sich Schlagzeug und die Percussion.

Songs, die in Erinnerung bleiben

Das sechs Minuten Bass-brummende und handclappende “Undercover Kept” von ROMEO VOID frisst sich tief im Ohrwurmzentrum ein und ist so füllig arrangiert, dass man es nicht unterbrechen kann. Die Band skizziert hier einen Clubbesuch – damals wohl noch Disco – mit allen üblichen Phasen und den zeitlosen Rausch, in den man dann gelangt. Wer den gut fünf Jahre später erschienen “Batdance” von PRINCE mochte, findet hier die weniger brachiale Version, die aber auch nach dem Prinzip der Groove-Vehemenz und den prägnanten, virtuosen Erinnerungssplittern funktioniert, an die man sich am Morgen danach noch erinnern kann.

An “Warm, In Your Coat” von ROMEO VOID kann man sich offensichtlich noch etwas länger erinnern, ein bemerkenswerter Baustein der Musikgeschichte. (Und die sogenannten Hits, sind in meinen Ohren ganz andere, als die eingangs erwähnten.)

Dauer: 65:05
Label: Columbia
VÖ: 02.05.1992

Tracklist “Warm, In Your Coat” von ROMEO VOID
White Sweater
I Mean It
Charred Remains
Talk Dirty to Me
Myself to Myself
In the Dark
A Girl in Trouble (Is a Temporary Thing)
Out on My Own
Just Too Easy
Wrap It Up
Flashflood
Undercover Kept
Chinatown
Never Say Never
One Thousand Shadows

Alben, die dir gefallen könnten:
Podcast Folge 94 mit Saskia Lavaux von SCHROTTGRENZE über “Das Universum ist nicht binär”
SIOUXSIE AND THE BANSHEES – Kaleidoscope
THE DEAD SOUND – Cuts
BLACKUP – Club Dorothee
MUMRUNNER – Valeriana
BOUNDARIES – s/t
LYSISTRATA – Breathe In/Out
BLEAKNESS – Functionally Extinct
PARADISE LOST – Obsidian
DEATH BELLS – New Signs Of Life
VIAGRA BOYS – Welfare Jazz
HANS-A-PLAST – I
BELLS FELL SILENT – s/t
DEW – rau
LYSCHKO streamen Press-Play-Show
HOLE – Live Through This
24/7 DIVA HEAVEN – Stress
METAWAVE – Means/End

ROMEO VOID Homepage

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert