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Rong Kong Koma – Delfine der Weide – Review

Mit “Delfine der Weide” toppt die Punkrockband RONG KONG KOMA nochmals die Absurdität des Vorgängers, zumindest was den Titel angeht. Der Opener hat eher etwas von einem Intro zu einem Spaghettiwestern und letztendlich fühlen sich die Berliner wohl auch irgendwie so, wie damals im Wilden Westen.

Die Hauptstadt wird verhökert, von Investorinnen und Investoren ausgesaugt, was gerade der Kreativität vor Ort nicht zuträglich ist und liebgewonnene Strukturen zerschießt. Schieß doch Punk! Na ja, wenn mal so einfach wäre. RONG KONG KOMA wehren sich mit Musik, abgesehen von ihrem ganz eigenen Stil, erinnert das stark an die dunkeldüsteren Geschichten von RAZZIA.

Friss deine Angst, wenn du Hunger hast

Hunger steht in diesem Fall nicht zwingend als Synonym für Nahrung. RONG KONG KOMA thematisieren auf “Delfine der Weide” den Hunger auf das Leben, den Wunsch nach einer lebendigen Szene und einem fairen Miteinander. Sänger Sebastian glänzt von jeher mit guten Texten, die den Splitter auf den Kopf treffen und ihn unangenehm tief ins Fleisch rammen. Der Rest von RONG KONG KOMA legt dieses Mal deutlich mehr Gewichtung auf Punk und zwar den der flirrenden Sorte, der zwar auf seine gebrochene Art melodiös ist, sich aber auch häufig wie ein unangenehm schweißtreibender Fiebertraum anfühlt.

Allerdings liegen mit “Fanfare” oder “Maschinenmensch” auch Kompositionen vor, die gerade von den Gitarren schamlos poppig ausgestaltet wurden und schnell ins Ohr gehen. Apokalypse Vega von ACHT EIMER HÜHNERHERZEN ist hier als Featuregast dabei und ihr prägnanter Gesang passt wunderbar zum kratzigen von Sebastian. Ihr Blick auf die Welt ist ein ähnlicher.

RONG KONG KOMA drehen am untersten Rad

“Delfine der Weide” ist übrigens eine Umschreibung für Alpakas. Diese Tiere gelten als fördernd für den Stressabbau und Stadtmenschen kalibrieren sich gerne bei Spaziergängen mit ihnen. Diese Eigenschaft versuchen RONG KONG KOMA sich zu eigen zu machen. “Eskalieren” ist wohl der sanfteste Aufruf zur Rebellion, den man sich vorstellen kann. Und auch “Laut und leer” ist eine freundliche Bestandsaufnahme einer verheerenden Situation, die alles andere als positiv zu verbuchen ist.

In “180 Sachen” hat sich eine feine Referenz zu “Was hat dich bloß so ruiniert” von DIE STERNE eingeschlichen. RONG KONG KOMA verdeutlichen hier den Rausch, in dem wir alle sind. Ständig zugeballert von Nachrichten, von Social-Media-Snippets und dem Druck (etwas er)leben zu wollen. Bei vielen führt das zu einer egoistischen Grundhaltung, meisten dann, wenn man merkt, dass man mit sozialem Verhalten auch nicht weiterkommt.

Beruhigen, treten und spucken

Am Ende bleibt von “Delfine der Weide” deutlich mehr hängen, als von RONG KONG KOMAs ersten Album. Ganz gleich, wie bitter die Texte und beschriebenen Zustände sind, die Platte ist mit angenehmem Sanftmut und Bereitschaft zur Versöhnung eingestrichen. Das ist fast so wohltuend, wie ein Spaziergang mit Alpakas. Wobei die auch aggressiv werden, spucken und treten können. Das nennt man dann BMS, Berserk male, vielleicht dann bald der Albumtitel von einer anderen Band.

Dauer: 36:02
Label: Rookie Records
VÖ: 28.10.2022

Tracklist “Delfine der Weide” von RONG KONG KOMA
Delfine der Weide
Wohnklokönigreich
Eskalieren
Fanfare
Laut und leer
180 Sachen
Maschinenmensch
Ich bin nur hier für die Gewalt
Krokodile
Tinnitus

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