Salò – Hardcore – Review
Mit seinem dritten Album „Hardcore“ legt SALÒ einen amtlichen Megamix vor, allerdings keinen für prolliges Gehopse am Ballermann, sondern eher für ein illegales Konzert im stillgelegten U-Bahnschacht. Mit einer kuriosen Mischung aus zäh groovenden Beats im Stil von VIAGRA BOYS, einer gelungenen Reinkarnation von RIO REISER und sehr untypischem Wiener Schmäh kann SALÒ vollends überzeugen.
Hauptsache, man fällt nicht aus dem Rhythmus
SALÒ maximiert auf „Hardcore“ die Extreme. „Manche tanzen zum Spaß, manche zum Vergessen“, bringt er es in „Halb Mensch, halb Pferd“ auf den Punkt. Schlecht gefakter Robotertanz, ein stumpfes Hoppeln auf der Stelle oder ein zielloses Anschubsen der Menge reichen schon aus: Hauptsache, man fällt nicht aus dem Rhythmus. Die grob geschrammelten „2D“ und „Ich bin Richard Lugners Frau“ wird SALÒ live mit Sicherheit in Ekstasen verwandeln. Schnell zugänglicher Punk, der sich banal und plump gibt, aber genau deshalb überzeugt und hängenbleibt.

Bassdruck und Bruchkanten
Auch klanglich setzt SALÒ auf Verdichtung. Der Bass drückt ordentlich, während Saxophon und Kuhglocken dem Sound eine eigenwillige Note geben. Die bewusst dumpfe Produktion sorgt dafür, dass alles dicht zusammenpappt und eine rohe Wucht entfaltet, getragen von stark übersteuerten Gitarren. „Liebe“ und „Jello Biafra“ behandeln sensible Themen mit der notwendigen Tiefe, ohne sie musikalisch in ihrer Tragik noch weiter zu überhöhen. Stattdessen wählt SALÒ einen gegensätzlichen Ansatz: Synthieflächen und eine gewisse Tanzbarkeit wirken wie ein bewusster Kontrast, der die Schwere der Inhalte nicht verstärkt, sondern spiegelt.
Hardcore als Zustand
SALÒ scheint kein abgehalfterter Musiker zu sein; sein Album „Hardcore“ ist mit zahlreichen popkulturellen und politischen Details gepflastert. Die beinahe schon karikaturhafte Verdichtung der Welt, in der alles ein bisschen zu viel geworden ist, zeigt Wirkung. SALÒ wirbelt alles so nonchalant durcheinander, dass man einfach Bock hat, mitzumachen. Live eh grandios.
Dauer: 26:00
Label: Phat Penguin / FUGA
VÖ: 10.04.2026
Tracklist „Hardcore“ von SALÒ
Rotten.com
Ich streichle Tauben
Liebe
Jello Biafra
Halb Mensch, halb Pferd
Hardcore
Ich will dein Hündchen sein
2D
Ich bin Richard Lugners Frau
Hundsjahre
Artikel, die Dir gefallen könnten:
NEIN DANKE – Wo soll das alles enden
VOODOO JÜRGENS – Gschnas
DAS BILDUNGSBÜRGERTUM – Verantwortung für Doitschland
Interview mit ANDA MORTS zur EP „Montage“
CONCIOUS PILOT – Human Poultry
THE CASUALTIES – Detonate
KNEECAP – Fenian
BUNTSPECHT – Konstrukt 5
Interview mit Oskar von VIAGRA BOYS über „Cave World“
Podcast Folge 102 mit GRINGO MAYER über „Laav“
VOODOO JÜRGENS – Wie die Nocht noch jung wor
BIBIZA – Bis einer weint
SHATTEN – Gegenwart
FLUPPE – Beest
Podcast Folge 103 mit Jan von TOCOTRONIC über „Golden Years“
DIE STERNE – Wenn es Liebe ist
WIR SIND FLIEGEN – Ritalin & Brause
BIPOLAR FEMININ – Piccolo Family
Podcast Folge 97 mit TRISTAN BRUSCH über das Album “Am Wahn”
