Schramm – Something Smelling Funny (EP) – Review
Dass sich in der Musik Trost finden lässt, ist bekannt. SCHRAMM führt uns mit seinem dunkelsüßen Indie-Wave-Pop und der EP „Something Smelling Funny“ auf einen besonderen Pfad. Die Songs sind oft vorwärts treibend, rhythmisch oder harmonisch stimulierend, was verhindert, dass die melancholischen Themen einen runterziehen. Stattdessen entsteht eine Art bewegende Katharsis und das beruhigende Gefühl, dass Downsein eine Chance sein kann. SCHRAMM hat ein sehr gutes Gespür für das Verweben von Tönen und Inhalt; offensichtlich lässt er uns an einem sehr persönlichen Prozess teilhaben.

Dunkelsüßer Indie-Wave-Pop als Pfad des Trostes
„Something Smelling Funny“ von SCHRAMM lebt von einer interessanten Doppelperspektive. Die angesprochene Person ist eher ein Spiegel oder ein Vehikel, um die eigenen Gedanken und Gefühle zu entfalten. Das herrlich wiegende „Tage schmelzen“ oder der mäandrierende Post-Punk-Hit „Nicht berührt“ werden somit zu geschickten Manifestationen, denn wer mitsingt, spricht mit sich selbst. SCHRAMM öffnet musikalisch und inhaltlich Räume für Kontraste. Es gelingt ihm, dass man selbst die bedrückenden Szenen aushalten möchte, sie beinahe genießen kann und nicht meiden will.
„Horny“ watet scheinbar auf der Stelle; der Gesang scheint sich aus sicherer Entfernung zwischen die Orgel zu mogeln. Das erinnert eher an Julian Casablancas und weniger an die im Pressetext angedeuteten Referenzen zu VON WEGEN LISBETH oder ISOLATION BERLIN.
Katharsis zwischen Tönen und Texten
SCHRAMM ist durchaus international konkurrenzfähig, selbst mit den deutschen Songs. Was „Something Smelling Funny“ aus- und bemerkenswert macht, ist die besondere Intimität. Ohne sich anzubiedern und mit nur halb heruntergelassener metaphorischer Hose transportiert SCHRAMM eine besondere Glaubwürdigkeit – und zwar obwohl und nicht weil er aus Neukölln kommt. Aufgenommen wurde immerhin an der Nordsee. Die Lieder über das Scheitern in der Liebe, Lethargie und Überforderung sind so anschlussfähig, weil man SCHRAMM in jeder Sekunde die Motivation weiterzumachen anmerkt.
Am Ende wird alles gut
Auf der B-Seite von „Something Smelling Funny“ finden sich Demos – rohe Songideen, in denen der magische Funke schon klar zu erkennen ist. SCHRAMM lässt uns also an der kompletten Reise teilnehmen, macht sich angreifbarer, aber das Bild vollständiger. Frisierte Geschichten helfen niemandem weiter; man braucht die Höhen und Tiefen, um daraus lernen und beidem etwas Gutes abgewinnen zu können.
Dauer: 23:13
Label: corner company
VÖ: 06.02.2026
Tracklist „Something Smelling Funny“ von SCHRAMM
Lies
(Don’t call me interlude)
Don’t call me
Nicht berührt
Tage schmelzen
Horny
Nicht berührt (Demo)
I Summon A Fire (V1)
Move Around
… I’m sleepy when you ask me to go out
Alben, die Dir gefallen könnten:
Interview mit DONKEY KID zu seiner EP „Distant Shouts“
JOGGER – Strong
DRANGSAL – Aus keiner meiner Brücken die in Asche liegen ist je ein Phönix emporgestiegen
Interview mit HUMANS AS ORNAMENTS zu „Flowers On Display“
JOOLS – Violent Delights
BERLIN 2.0. – Kaltental
Podcast Folge 103 mit TOCOTRONIC über „Golden Years“
KAAK – Sterben (EP)
KIND KAPUTT – Ins Blau
VON WEGEN LISBETH – Live in der Columbiahalle
MALHEUR – Lava
JOYCE MANOR – I Used To Go To This Bar
Interview mit SWAIN zum Album „Infinite Child“
TOUCHÉ AMORÉ – Spiral In A Straight Line
DIIV – Frog In Boiling Water
POPPY WIZARD – Holy Spirit Gang (EP)
