Lest die Review zu "Alone Together" von SHOW ME THE BODY bei krachfink.de

Show Me The Body – Alone Together – Review

Mit ihrem vierten Album „Alone Together“ beweisen SHOW ME THE BODY nicht nur erneut, dass sie einen ganz besonderen Stil zocken, sie spielen sich mit ihrem ruppigen Hardcore-Punk direkt in die Jahresbestenlisten. Schon der Opener „Overture“ zieht einen mit seiner MF DOOM-mäßigen Schiefheit und dem dominanten Marchingsound sofort in den von Groove, Rhythmus und ausdrucksstarker Beweglichkeit geprägten Kosmos. Das Album wird von tiefgründigen Hooks und sich schnell windenden Riffs getragen, die sich von Harlan Steeds dominantem Bass jagen lassen. Über allem schwebt der Geist eines kurz nach den Aufnahmen verstorbenen Freundes der Band, daneben verarbeitet sie private Zäsuren.

Ähnlich wie „Wagon Burner“ von DEAD PIONEERS stellen SHOW ME THE BODY die Gemeinschaft ins Zentrum der Platte. Trotzdem ist und bleibt Julian Cashwann Pratt mit seinem Gesang, dem Banjo und seiner ganz besonderen Art der Dreh- und Angelpunkt des Trios.

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SHOW ME THE BODY 2026, Foto von Wes Knoll

Alleine kämpfen. Gemeinsam bestehen.

Man merkt „Alone Together“ die Spannung an. SHOW ME THE BODY lassen nicht nur politische Reibungen und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft einfließen, subtil schwingen Frust und persönliche Belastungen mit. „Good Time“ ist deshalb eher ein rüder Schwinger geworden, in dem die Band den täglichen Überlebenskampf musikalisch verdichtet. Dementsprechend klingt vieles auf „Alone Together“ nach Arbeit, nach Angriff und nicht nach Spaß und Entspannung. „Dance In The USA“ zeigt, wie unterhaltsam das trotzdem sein kann.

Giftig zieht Cashwann Pratt an den Fäden, die uns sinnbildlich zu Marionetten des Systems machen, und schafft es trotzdem, dass sein Gekeife hitverdächtig schnell im Ohr hängenbleibt. „Sun shines in hell, sun shines in the city / Come on now, dance for me“, eine Hook, die gleichermaßen fies wie genial ist.

Der Sound einer Welt unter Druck

„Do What’s Right (Happy)“ ist die konsequente Weiterführung von Noise-Elementen, wie sie IDLES oder METZ integrieren, nur deutlich kompromissloser. SHOW ME THE BODY schleudern den Beat nicht einfach entgegen, er funktioniert eher wie eine Fingerfalle: Je mehr man sich dagegen stemmt, desto fester zieht er einen hinein. Das von einem sanften Spoken-Word-Fight unterlegte „Interlude“ arbeitet mit staubigen Loops, SHOW ME THE BODY spielen mit Spannung statt Auflösung und verstehen den Beat nicht als Taktgeber, sondern als Kulisse. Im daran anschließenden „See You Again“ reißt das Banjo den Song an sich, die ständige Wiederholung der Melodie schafft den Raum, in dem Pratt darauf vertraut, seinen verstorbenen Freund wiederzusehen.

Genau diese Momente, wenn er seinem Gesang spontan die Kanten abschleift und auf seine ganz besondere Art emotionale Tiefe erreicht (u.a. „Trust), lassen SHOW ME THE BODY aus der Masse herausragen. Fairerweise muss man festhalten: „Der Song „See You Again“ wirkt wie eine Weiterentwicklung von „Arcanum“ auf dem Album „Dog Whistle“ von 2019, und das anschließende „Mileage“ baut auf einem ähnlichen Gerüst wie „Madonna Rocket“ von ebendiesem Album auf.

Ein Album, das nachhallt

SHOW ME THE BODY geben also allen Futter, bleiben bei ihren Stärken und erschließen sich doch immer wieder neue Nischen. Die Beteiligung des Komponisten Gio Escobar, der die ersten Riffideen in New Yorker Jazzstandards übersetzte, ist deutlich zu hören. Im abschließenden Titelsong flankieren eiskalte Synthies den Sound, während die Drums nach vorne peitschen. Das Banjo tritt unvermittelt in die Manege, reißt das Geschehen erneut an sich und wird vom typisch kantigen Sound der Band sowie Cashwann Pratts gehacktem Gesang ummantelt. Der Schlusspunkt bündelt noch einmal alles, was „Alone Together“ ausmacht.

„Alone Together“ behauptet sich nicht durch Eingängigkeit, sondern durch Charakter. Die Platte drückt nieder, richtet aber gleichzeitig auf. Sie ist düster, unbequem und voller Reibung, und genau deshalb wird sie weit über dieses Jahr hinaus nachhallen.

Dauer: 33:47
Label: Loma Vista Recordings / Universal
VÖ: 10.07.2026

Tracklist „Alone Together“ von SHOW ME THE BODY
Overture
Eat For Peace
No God
Good Time
Dance In The USA
Do What’s Right (Happy)
Interlude
See You Again
Mileage
New Line
Trust
Finale
Alone Together

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