Sidewalk Surfers Growing Up Is A Mess

Sidewalk Surfers – Growing Up Is A Mess – Review

Die Zielgruppe der saarländischen Punkrockband SIDEWALK SURFERS ist mit dem Titel von ihrem dritten Album “Growing Up Is A Mess” mehr oder weniger festgelegt. Alle, die sich gerade in ihrer Adoleszenz finden oder diese nie wirklich abgeschlossen haben. Dementsprechend hitzig und stellenweise überdreht klingen auch die Kompositionen. Alle fünf Musiker verfügen über sehr viel Power und bringen eine dominante Dynamik ein, die sich sogar in die vermeintlich melodisch-sanft gesungenen Sing-a-Long-Parts durchschlägt. Dabei überholt sich manches von rechts und links und wieder anderes büxst komplett aus und macht eine neue Nebenbaustelle auf. Genau so ist es ja aber auch in der Jugend: Man weiß noch nicht so genau wohin und was der beste Weg ist, aber schnell muss es gehen und richtig Bock drauf hat man auch.

Teenage Hektik statt Teenage Angst

Im Vergleich mit Bands wie DUNE RATS oder MEAN JEANS sind SIDEWALK SURFERS weniger offensichtlich spaßig unterwegs. Und sie scheinen in ihrer gemeinsamen Linie noch nicht so ganz gefestigt zu sein. Der Sänger bellt sich im Opener “21” gut durch, die Gitarren streuen Pfeffer in den Sound und das Schlagzeug hält den Bums zusammen und bringt ihn gleichzeitig durch Kniffe nach vorne. Im weiteren Verlauf von “Growing Up Is A Mess” schleicht sicher allerdings etwas Chaos ein. Jetzt kann man wohlwollend schreiben, dass das nach frühen BAD RELIGION oder IGNITE riecht.

Tut es aber nicht, denn dafür fehlen die Widerhaken. Und es ist nicht so, dass SIDEWALK SURFERS die nicht grundsätzlich am Start hätten. Sie begraben sie nur im Eiltempo selbst, durch zu viel wollen und zu viele Hände, die den Sound an sich reißen oder in eine gewisse Richtung lenken wollen. Man merkt das deutlich am Coversong “Anything Anything”, der ursprünglich von der amerikanischen Rock-Popband DRAMARAMA stammt. Das findet sich nämlich die nötige Spur, die SIDEWALK SURFERS anpeilen sollte. Und diese fremde Komposition klingt mindestens ebenso energetisch, nur eben nachvollziehbarer geordnet, als das was die Band selbst schreibt.

Weniger ist oft mehr

Alles auf “Growing Up Is A Mess” ist grundsätzlich gut gemeint, aber meistens überfrachtet. Das ist eigentlich ganz lustig, weil der Albumtitel eben Programm ist. Und wenn man Lust hat, sich mal richtig wegballern zu lassen oder gerne zwei bis drei Liedern gleichzeitig hört, dann sind die SIDEWALK SURFERS die richtige Wahl. Klingt jetzt dramatischer, als es ist, denn man muss ja nur was wegnehmen. Es würde schon mal sehr helfen, wenn der Sänger nicht immer mit seiner heiseren Stimme in die Chöre bellt. Die Momente, in denen die Band sich dann traut, Freiräume auch stehenzulassen und einfach mal runterzufahren (“Drunk Together”, “Growing Up”) sind dann sehr vielversprechend. Und selbst wenn es cheesy ist, auch die Oho-Momente werden live mehr als zweckdienlich sein.

Dauer: 39:43
Label: Barhill Records / Cargo
VÖ: 26.03.2021

Tracklist “Growing Up Is A Mess” von SIDEWALK SURFERS
21
Annything, Anything
New World
Too Much
An Apology
Drunk together
Growing Up
Blindfolded
Passion (feat. Magic Kötti)
Losers
Rapid Cycling
Porta Potty Anthem

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