Sleaford Mods – The Demise of Planet X – Review
In Anbetracht der Tatsache, dass man vor ein paar Jahren tatsächlich dachte, SLEAFORD MODS müssten sich mit irgendjemandem in ihrem Umfeld messen, kann man heute eigentlich nur so hysterisch lachen wie im Opener „The Good Life“. Die beiden spielen weit außerhalb jeder Liga, der Versuch einer Kopie mag dagewesen sein, erreicht hat Jason Williamson und Andrew Robert Lindsay bisher nie jemand.
Die sich über uns ergießende Wortflut ist auch auf „The Demise of Planet X“ enorm, weniger hektisch und nicht minder bissig. Mit Gwendoline Christie (Game of Thrones), ALDOUS HARDING, Sue Tompkins von LIFE WITHOUT BUILDINGS und BIG SPECIAL haben sich die beiden nicht nur vorhersehbare Gäste zur Zusammenarbeit eingeladen.

Sound lauert an jeder Ecke
„The Demise of Planet X“ von SLEAFORD MODS ist mit Abstand ihr experimentellstes Album. Wie nie zuvor legen sie Wert auf die Verschachtelung von Klängen, Entfremdung von Altbekanntem und den akzentuierten Einsatz von Stimme und Gesang als weitere Klangebene. Aus Disharmonie wird ungewohnt Neues, die altbekannten Strukturen werden sublimiert. Am besten lässt sich das in „No Touch“ nachvollziehen, wenn ein vermeintlich zufälliger Wortaustausch zum wertigen Soundbit wird. Glaubt man an eine strikte Arbeitsteilung, dann scheint Jason einen Schritt zurück- und Andrew einen nach vorne getreten zu sein.
Experiment statt Wiederholung
Bissig und sarkastisch sind SLEAFORD MODS selbstverständlich weiterhin, allerdings verleiht der besser gestapelte Sound den Worten mehr Gewicht. Aus weniger wird also mehr – wer hätte gedacht, dass gerade bei den MODS dieses Potenzial schlummert? Der zitternde Beat von „Elitest G.O.A.T“ wird von Piano penetriert, was sich mit Williamsons gehacktem Sprechgesang genauso gut vermengt wie mit dem wolkigen Beitrag von ALDOUS HARDING.
In den Abbey Road Studios wurde „The Demise of Planet X“ noch dazu perfekt in Szene gesetzt. Die Platte vermittelt die SLEAFORD MODS weiterhin schroff und nah, als seien sie nebenan, ohne das Klangkaleidoskop zu beschädigen. Wer auf die alte Form der Band steht, wird mit dumpfdichten Songs wie „Megaton“ oder dem von einem dreist taumelnden Beat dominierten Titeltrack zufrieden sein.
Außer Konkurrenz
Keiner nimmt es jemals mit SLEAFORD MODS auf, das sollte allen spätestens nach „The Demise of Planet X“ klar sein. DIE STERNE wollten schon vor Jahren wissen, was uns bloß so ruiniert hat, in „Gina Was“ versuchen versuchen die MODS nun zu klären why do I get so lonely, why do I get so bored…? Was uns die neue MODS-Platte mitgibt, trifft hart: Es wird keine funky Supernova sein und keine lässige Alieninvasion mit Instapost-Potential. Wenn wir so weitermachen, ist es die Langeweile, die uns auffrisst, oder die Köpfe, die wir uns hartherzig gegenseitig einschlagen. Wenn wir uns dazu noch aufraffen können und nicht vorher eine herabfallende Drohne niederstreckt, während wir auf die nächste Bestellung warten.
Dauer: 41:37
Label: Rough Trade
VÖ: 16.01.2026
Tracklist „The Demise Of Planet X“ von SLEAFORD MODS
The Good Life feat. Gwendoline Christie
Double Diamond
Elitest G.O.A.T feat. Aldous Harding
Megaton
No Touch feat. Sue Tompkins
Bad Santa
The Demise of Planet X
Don Draper
Gina Was
Shoving the Images
Flood the Zone feat. Liam Bailey
Kill List feat. SNOW
The Unwrap
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