Sophie Passmann - Frank Ocean

Sophie Passmann – Frank Ocean – Review

Die Autorin, Radiomoderatorin und Podcasterin Sophie Passmann ist mir auf angenehme Art und Weise unheimlich. Sie ist erst 25 und macht schon so viele kluge, reflektierte Beobachtungen. Sie stößt wichtige Debatten nicht nur, sondern bereichert sie. Musikalisch hatte ich sie anders eingeschätzt und war mir sicher, sie würde über FRANK TURNER schreiben. Das ist ein nachdenklicher Singer-Songwriter, der gefühlt andauernd irrsinnig wichtige Platten veröffentlicht und mir ständig mit tollen Zitaten begegnet, dessen Musik ich aber unterirdisch öde finde. Abteilung Vorurteil im Gehirn aus und Augen auf: Der von ihr gehuldigte FRANK heißt FRANK OCEAN und ist ein amerikanischer Rapper, den Wikipedia auch noch als Singer-Songwriter, Contemporary-R&B-Musiker, Musikproduzent und Fotograf führt.

Klingt deutlich spannender, aber auch nicht unklug und glaubt man Sophie Passmann, dann schreibt er zumindest sehr tiefgründige Texte. Über die Musik an sich erfährt man in dem Taschenbuch eher wenig, es geht mehr um die Inhalte, die Sophie Passmann offensichtlich stark berührt haben.

Vom Umgang mit Worten

Offen schreibt Passmann von einer depressiven Phase und dem Moment, in dem bei ihr eine bipolare Störung diagnostiziert wird. Im Vergleich zu Anja Rützels Hommage an TAKE THAT, ist der Text von Passmann viel intimer gehalten. Schon immer war sie Fan von FRANK OCEAN, doch das Album “Blonde” nimmt bei ihr einen ganz besonderen Stellenwert ein. Music matters also doch. Passmann recherchiert akribisch jedes Details über jedem Song und speichert jeden möglichen interessanten oder uninteressanten Informationsschnipsel über Ocean. Sehr gekonnt beschreibt sie die starke Hassliebe, die man zu Musik, die einen tief trifft, über die Zeit auch entwickeln kann.

Don’t try to be like someone else

Geht man rein oberflächlich nach der Optik, würde man spontan sagen, dass Passmann und Ocean sich nicht fremder sein könnten. Während des Lesens wird klar, dass sie sehr ähnliche Erfahrungen gemacht haben und Passmann deshalb sehr viel von Ocean profitieren konnte. Meistens verstärkt er ihre Stimmungen, andere Songs widern sie aber mit der Zeit richtig an und kommen auf die schwarze Liste. Sophie Passmann ist trotzdem weiterhin der Meinung, dass “Blonde” von FRANK OCEAN auf ihrer Beerdigung in voller Länge gespielt werden soll.

Diese Forderung klingt absurd, ist aber – wie sie selbst auch beschreibt – nicht so abwegig, wie die Tatsache, dass auf einer normalen Trauerfeier jemand am längsten über den Toten spricht, der ihn am wenigsten kannte. Angeregt durch das Taschenbuch, das ist sicherlich auch im Sinn der Reihe, habe ich mir das Album von FRANK OCEAN angehört. Natürlich mit Passmanns Geschichte dazu im Hinterkopf. Ich war erst leicht verstört von unterschiedlichen Dingen, wie dem Autotune und der überwältigen Vielfalt. Mittlerweile habe ich einen Zugang dazu gefunden. “Blonde” ist tatsächlich nicht nur ein schnödes Album, sondern wunderschön und fesselnd. Danke, Sophie!

Außerdem in der Kiwi-Musikbibliothek erschienen:
Anja Rützel über TAKE THAT
Thees Uhlmann über DIE TOTEN HOSEN
Tino Hanekamp über NICK CAVE

Seiten: 96
Verlag: KiWi-Taschenbuch
ISBN-10: 3462053590
ISBN-13: 978-3462053593
VÖ: 10.10. 2019

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