Lest die Review zu "Opernball" von Stefanie Sargnagel bei krachfink.de

Stefanie Sargnagel – Opernball -Zu Besuch bei der Hautevolee – Review

Die Tatsache, dass Stefanie Sargnagel erneut beim Wiener Opernball war, ist nicht die eigentliche Sensation. Es ist vielmehr der Affenzahn, mit dem sie uns auf überschaubaren, aber ebenso erschöpfenden 80 Seiten mit „Opernball – Zu Besuch bei der Hautevolee“ durch die Veranstaltung jagt. Dort Wunderliches zu entdecken, ist auch keine große Kunst. Doch der Blick von Stefanie Sargnagel ist ein besonderer. Mit tripähnlicher Geschwindigkeit schieben wir uns gedanklich durch die murmelnde Menge, die unablässig fragt, ob das wer ist – oder sich ganz sicher ist, dass das jetzt auf jeden Fall wer sein muss.

Der Opernball als Rausch

Stefanie Sargnagel macht in „Opernball – Zu Besuch bei der Hautevolee“ einige Begegnungen, aus denen sich kuriose gesellschaftliche Rituale ableiten lassen, und sogar etwas, das man wohl als Habitus oder inkorporiertes kulturelles Kapital bezeichnen könnte: jene körperlich eingeschriebene Anpassung über Zeit, durch die man Menschen Reichtum, Macht oder soziale Stellung ansehen kann. Je näher man mit dem gelösten Ticket an das Geschehen herankommt, desto merkwürdiger werden die Ansprüche an dieses ohnehin schräge Programm. Sargnagel nennt einige Prominente beim Namen; aus deren Einordnung in das Treiben des Opernballs lässt sich einiges ableiten. Vor allem eines: Das kann man nicht werden, was manche sich einbilden, bereits zu sein. Und lustig ist zwar, wenn man trotzdem lacht, aber so manches Lachen bleibt einem im Halse stecken.

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®Apollonia Theresa Bitzan

Prominenz als Behauptung

Natürlich hat auch der mittlerweile verstorbene Richard Lugner seinen Auftritt in „Opernball – Zu Besuch bei der Hautevolee“. Über drei Jahrzehnte wurde er zum König der Veranstaltung, was sich nicht zuletzt über Stärke seiner Security und sein dominantes Auftreten erschließt. Die sogenannten bunten Vögel, die er seit 1992 zum Ball schleppt und andere in ihren Logen als Staffage parken, sind dabei meist Mittel zum Zweck: Sie sorgen dafür, dass die Veranstaltung zum Selbstläufer wird. Eigentlich weiß niemand so genau, worum es geht, aber alle wollen ein Teil sein von diesem seit 1935 existenten Kult, der bei näherer Betrachtung in seiner modernen Form vor allem eine schillernde Luftblase ist.

Stefanie Sargnagel selbst versucht im Verlauf des Abends, sich nach unten abzuseilen, was sich schwieriger gestaltet als gedacht. Das Buch ist eher ein erweiterter Bericht als eine klassische Erzählung, dafür jedoch so gerafft, dass man den Opernball als eine derart abgefahrene Veranstaltung wahrnimmt, dass man sie eigentlich gerne einmal selbst besuchen möchte. Lässt man „Opernball – Zu Besuch bei der Hautevolee“ von Stefanie Sargnagel sacken, weiß man: Vieles ist erstaunlich hohl und weniger leiwand.

Seiten: 80
Verlag: Rowohlt
ISBN-10: 349800882X
ISBN-13: 978-3498008826
VÖ: 27.01.2026

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