Susanne Fröhlich – Ungezügelt – Review
Die erfolgreiche deutsche Autorin, Moderatorin und Podcasterin Susanne Fröhlich schickt uns mit „Ungezügelt“ die 13. Episode aus dem Leben der fiktiven Romanfigur Andrea Schnidt. Seit 1998 dürfen wir ihrem eigentlich stinknormalen Leben folgen – mit allen Höhen und Tiefen, wie wir sie alle früher oder später erleben. Quer einzusteigen ist nicht ratsam: Es empfiehlt sich, die komplette Schnidt-Saga zu lesen, die mit der ersten Ehe und der Geburt des ersten Kindes von Andrea Schnidt beginnt. Bis zum nun vorliegenden „Ungezügelt“ ist viel passiert: Andrea ist mittlerweile mehrfache Oma, zum zweiten Mal verheiratet und muss sich mit neuen Lebensplänen auseinandersetzen. Lohnt es sich, nochmals beruflich durchzustarten? Bringt es noch etwas, mit Sport anzufangen? Und in welchen Punkten zahlt sich die Gelassenheit aus, die einem das Leben zwangsläufig mitgibt?
Leichte Lektüre mit Nachklang
Man muss Susanne Fröhlich nicht privat stalken, um sofort zu erkennen, dass viel von ihr selbst in Andrea – und dementsprechend auch wieder in „Ungezügelt“ – steckt. Der Roman spielt in Frankfurt, Alter und Kinderkonstellationen sind ähnlich, manche Lebensweisheiten kennt man 1:1 aus Interviews mit Fröhlich. Genau das macht die Romanreihe aber so authentisch: Das Beschriebene ist entweder ungeschönt realistisch oder Probleme lösen sich herrlich klischeehaft – was beim Lesen heilsam ist.
Andrea Schnidt wagt sich in „Ungezügelt“ heimlich an das Schreiben eines Roman. Um sich unabhängig zu machen, versucht sie sich an einem Liebesroman, in dessen Mittelpunkt keine blutjungen Hüpfer, sondern gestandene Männer und Frauen stehen. Der Wunsch der Autorin, etwas mehr „Spice“ hinzuzufügen, setzt sie dann doch unter Druck und sorgt noch dazu für die üblichen Missverständnisse.
Vom Alltag zur Altersweisheit
Dann ist da noch Rudi, ihr hessisch schwätzender und herrlich praktischer Ex-Schwiegervater, den wir schon seit „Frisch gepresst“, dem ersten Band der Reihe, kennen. Der hat sich mit 90 Jahren in den Kopf gesetzt, sein Leben zu verlängern, und bindet Andrea in sein Sportprogramm und den dazu passenden Essensplan ein. „Ungezügelt“ befasst sich auf mehreren Ebenen damit, dass auch älteres Leben wertvoll sein und Spaß machen kann. Es gibt immer Möglichkeiten zur Veränderung, beruflich, charakterlich und auch sexuell – die Abenteuer sind dann nur etwas anders gelagert.
Wer den Schreibstil von Susanne Fröhlich kennt, weiß, was er mit „Ungezügelt“ bekommt. Der Inhalt ist mitnichten platt, nimmt sich aber auch nicht ernster, als nötig. Unterm Strich ist „Ungezügelt“ leicht zu lesen, ein Wiedersehen mit alten Bekannten und ein netter Zeitvertreib. Trotzdem bleibt unterschwellig die Grundidee hängen – und der Gedanke, dass man ja auch mal etwas Neues wagen könnte.
Seiten: 288
Verlag: Knaur HC
ISBN-10: 342656291X
ISBN-13: 978-3426562918
VÖ: 01.10.2025
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