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Svenja Liesau – Es war nicht anders möglich – Review

Mit ihrem Debütroman „Es war nicht anders möglich“ nimmt uns die Autorin und Schauspielerin Svenja Liesau mit auf einen holprigen Selbstfindungstrip. Wir begleiten Martina, die den Tod ihres Vaters nicht verarbeiten kann, obwohl es eigentlich einfacher sein sollte, denn auch zuvor war er kaum präsent. Martina mäandert durch die Kneipenviertel Berlins, trifft auf Menschen, die ebenfalls aus der Spur geraten sind und von Schicksalsschlägen geprägt wurden.

Solche Romane folgen oft einem bekannten Schema: Man begegnet einer gebrochenen Figur, durchlebt mit ihr Krisen und bekommt am Ende zumindest einen Hoffnungsschimmer. Svenja Liesau schreibt anders. Sie lässt Martina sich verlieren, und manchmal hat man das Gefühl, sie entgleitet einem vollständig. Das ist unbequem, schonungslos und gerade deshalb so realistisch. Am Ende löst sich nichts in Wohlgefallen auf.

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© Clemens Porikys

Ein Roman gegen die Erwartung

Gerade diejenigen, die in „Es war nicht anders möglich“ von Svenja Liesau allen Grund hätten, auf das Leben wütend zu sein, sind meist erstaunlich reflektiert. Die Schläge anzunehmen, die Härte des Lebens zu verstehen und damit zurechtzukommen – das ist der Kern von „Es war nicht anders möglich“ von Svenja Liesau.

Es geht darum, Dinge nicht ändern zu können und mit den Schäden, die Taten hinterlassen, klarzukommen. Das sind nicht immer drastische Ereignisse, sondern oft bittere, leise Erkenntnisse: etwa, dass er sich mehr um seinen Zigarettennachschub gekümmert hat als um sie. Oder dass es nicht lange dauert, bis er länger tot ist, als sie überhaupt Zeit miteinander verbracht haben.

Verlust ohne Auflösung

Trotz all dem Schwermut und der bedrückenden Ausgangslage ist „Es war nicht anders möglich“ von Svenja Liesau ein unterhaltsames Buch, das einen immer wieder überraschend zum Lachen bringt. Martina hat einen ausgeprägten Galgenhumor, der gepaart mit ihrer Beobachtungsgabe zu skurrilen Situationen führt. Martina kennt die Mechanismen, schlittert offenen Auges in ihre Tiefphasen und kann sich dennoch nicht selbst helfen.

Humor im Absturz

Svenja Liesau beschreibt die Momente, in denen man sich die Welt abstrakt zusammensetzt und seltsame Schlüsse zieht, sehr fantasievoll. Häufig weiß man nicht, ob das Beschriebene real oder fiktiv ist – das erzeugt eine bedrohliche Instabilität. Auch Gewalt, seelische wie physische, geschieht fast beiläufig, ohne mahnende Einordnung. Niemand wird durch das Leben kommen, ohne Ähnliches zu erfahren. Von daher ist „Es war nicht anders möglich“ von Svenja Liesau ein Buch für fast alle. Am Ende steht allerdings nicht die tröstliche Gewissheit, dass alles gut wird, sondern die Erkenntnis, dass es anderen genauso geht.

Seiten: 240
Verlag: Rowohlt
ISBN-10: 3737102538
ISBN-13: 978-3737102537
VÖ: 12.03.2026

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