Tash Sultana Terra Firma Artwork

Tash Sultana – Terra Firma – Review

Das Loopwunder, so nennt man TASH SULTANA aus Australien. Klingt imposant, aber so richtig kann man sich darunter nichts vorstellen, oder? Auch auf dem neuen Album “Terra Firma” wurde wieder jeder Ton selbst geschrieben und alles selbst eingespielt, diese multinstrumentale Fähigkeiten sind da schon eher beeindruckend. Dass alles aus einer Hand und einem Herz kommt, hört man dem sowieso schon sehr harmonischen Sound extrem an.

Die Floskel “alles aus einem Guss” findet hier tatsächlich Bedeutung. Den Sound an sich zu kategorisieren, ist schwer, wenn man mit üblichen Schubladen arbeiten will. Löst man sich davon, kann man einen entspannenden Sound mit stetem, aber nicht aggressiv drückenden, Groove hören, inhaltlich eine offensive Introvertiertheit und zur Krönung schnörkeliges Gitarrenspiel, das den daraus kumulierenden Rausch unterstützt. TASH SULTANA gibt eigentlich nur eine Anweisung an die Hörer*innen: Einfach loslassen.

Press Shots 2020 by Dara Munnis. @daramunnis
TASH SULTANA, Press Shot 2020 by Dara Munnis. @daramunnis

Überwältigende Vielfalt

TASH SULTANA startet mit “Musk”. Sphärische Klänge scheinen aus den Wolken zu fallen, Fingerschnippen zählt die Kalibrierung ein. “Terra Firma” startet weitläufig instrumental, was wie eine Einführung in die Entspannung führt. Trotzdem wirkt die Musik nicht aufdringlich esoterisch, sondern authentisch lockernd und im besten Sinne aus dem Bauch heraus. Die Vielschichtigkeit fällt gar nicht so offensiv aus, aber was TASH SULTANA schon in den ersten Minuten aus dem Hut zaubert, füllt bei anderen Künstler*innen mehrere Alben. Erst bei “Crop Circles” erklingt der angenehm rauchige Gesang von TASH SULTANA. Ein Gesang, der sich tatsächlich als Instrument zu verstehen scheint und nicht über die Melodie singt, sondern sich angenehm in den Fluss einfügt. Die dadurch addierte soulige Note, wertet “Terra Firma” noch weiter auf.

Vereinzeltes Hitpotential

Auch im Hinblick auf direkte Ausdrucksweise kann TASH SULTANA überzeugen. Unvermittelt wird ein fuck gegeben, ohne aus dem smoothen Rahmen zu fallen. Es gibt auf “Terra Firma” einige hitverdächtige bzw. radiotaugliche Songs, die ihren Nachdruck aus den Refrains ziehen. “Pretty Lady” mit dem geschmeidigen Gitarren-Loop und dem abgehängten Finale werden die Radiosender TASH SULTANA aus den Händen reißen. Und in getragenen Momenten, wie der von Trennungsschmerz bestimmten Klavierballade “Maybe You’ve Changed”, schlägt TASH SULTANA schon einen Hauch TORI AMOS an und empfiehlt sich für Gänsehautmomente in großen Stadien. Der sozialkritische Soul-Funk-Schmeichler “Blame It On Society” mit seinem auffächernden Refrain hätte NIKKA COSTA auch ziemlich gut gestanden.

Bisschen Überlänge

TASH SULTANA liefert alles und nichts wirklich Bekanntes, im bestmöglichen und positiven Sinne. Soul, Gitarrenporn, Flower Power, Meditation, Funk, Rock und Pop münden in die Melange namens “Terra Firma”. Wahrscheinlich wird es der allgemeinen Ungeduld und Schnelllebigkeit geschuldet sein, dass “Terra Firma” mit einer guten Stunde Spielzeit zu lange geraten ist. Das ist auch nicht durchweg berechtigt, denn vieles wiederholt sich einfach. Man kann es sich das Album in kleine Häppchen aufteilen oder einfach an sich und seiner Entspannung arbeiten.

Dauer: 1:00:06
Label: Rca International 
VÖ: 19.02.2021

Tracklist “Terra Firma” von TASH SULTANA
Musk
Crop Circles
Greed
Beyond The Pine
Pretty Lady
Dream My Life Away
Maybe You’ve Changed
Coma
Blame It On Society
Sweet and Dandy
Willow Tree
Vanilla Honey
Let The Light In
I Am Free

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