The Haunted Youth – Boys Cry Too – Review
Mit ihrem zweiten Album „Boys Cry Too“ setzen die belgischen THE HAUNTED YOUTH ihren von Dream-Pop und Shoegaze geküssten Indie-Rock genau dort fort, wo ihr Debüt eine Sehnsucht hinterlassen hat. Was einst als Solo-Projekt von Joachim Liebens startete, ist mittlerweile zu einer kompletten Band geworden, die das Wechselbad aus mäanderndem Bass und flirrenden Gitarren fest im Griff hat. Schon im Opener gönnen sich THE HAUNTED YOUTH satte acht Minuten, um uns den vernebelten Teppich auszurollen und von einem sanften Klimax in den nächsten zu drängen. „Boys Cry Too“ ist mit Sicherheit kein hastig zusammengeschustertes Album und keines, das sich als schnöder, griffiger Hitlieferant versteht.

Breitgefächerte Inspiration
„Boys Cry Too“ von THE HAUNTED YOUTH geizt trotzdem nicht mit Höhepunkten und hält bereits mannigfaltige prägnante Szenen für uns bereit. Dabei täuschen sie manches Mal mit vermeintlich bekannten und simpel wirkenden Basics auf, die sie jedoch immer komplett anders verwandeln als erwartet. Ihre Wurzeln sind unverkennbar nicht nur im klassischen Bereich bei THE CURE, DRAB MAJESTY oder DIIV zu finden, sondern auch Fragmente von Bands wie TYPE O NEGATIVE, EKKSTACY oder ALICE IN CHAINS sind herauszuhören. Was besonders auffällt, ist, dass die Band einen Hang zu ungewöhnlichen Enden und angedeuteten Übergängen hat.
THE HAUNTED YOUTH sind lebendiger und selbstbewusster geworden
So manchen Song wähnt man bereits am Ziel, dann bäumt er sich nochmals auf oder zelebriert seinen Ausgang. Mit dem durch Retro-Synthies bezirzenden „Deathwish“ und „Forget Me“ haben THE HAUNTED YOUTH zudem einige Kompositionen geschaffen, die um die Wirkung eines Widerhakens wissen. Beide Songs fräsen sich sofort ins Ohrwurmzentrum, auch wenn sie mitnichten die komplexesten Stücke sind. Aber das werden jene sein, die bei Konzerten neue Fans begeistern und einen bis in den Alltag verfolgen.
Im Vergleich zum Debütalbum wirkt „Boys Cry Too“ von THE HAUNTED YOUTH lebendiger und selbstbewusster. Inhaltlich ist auch dieses Album von Liebens’ seelischer Zerrissenheit und schweren Zeiten geprägt. Allerdings bricht sich diese Melancholie häufiger Bahn, strampelt sich frei und drängt auf einen Ausweg. Der Albumtitel ist selbsterklärend, vielleicht ist auch deshalb dieser subtile musikalische Zug angebracht. Dieser entfaltet sich erst vollends im Zusammenspiel mit den sich herrlich harmonisch ergießenden Höhepunkten wie in „Emo Song“.
Emotional zugänglich, atmosphärisch stark
Grundsätzlich funktioniert „Boys Cry Too“ gerade wegen der Gegensätze und der Tatsache, dass flächige Klanglandschaften hier einem intim gezupften Akustikintro wie in „Wake Up“ gegenüberstehen. Ein offenes Ohr für die Texte empfiehlt sich: Die Texte suchen selten nach Lösungen. Stattdessen halten sie Schmerz, Verwirrung und Widersprüche fest. Das macht sie emotional zugänglich und atmosphärisch stark, aber auch bewusst nihilistisch.
„Boys Cry Too“ von THE HAUNTED YOUTH ist eine Platte, die sich gleichermaßen vorsichtig wie selbstbewusst ausbreitet und sich langsam, aber sicher ins Herz schleicht. Die Produktion ist ausgereift, alles wirkt dicht und genau deshalb authentisch. Durch den gerade bis an die Grenze getriebenen Hall bekommt der Sound eine Weite, die die Emotionen zusätzlich verstärkt. Eine deutliche Weiterentwicklung, wesentlich mutiger und beweglicher als der Vorgänger.
Dauer: 53:08
Label: Play It Again Sam
VÖ: 08.05.2026
Tracklist „Boys Cry Too“ von THE HAUNTED YOUTH
in my head
castlevania
deathwish
emo song
wake up
hurt
murder me
falling to pieces
i hear voices
forget me
ghost girl
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