Thees Uhlmann - Die Toten Hosen Artwork

Thees Uhlmann – Die Toten Hosen – Review

Im Rahmen der Kiwi-Musikbibliothek huldigt der Musiker und Autor Thees Uhlmann den DIE TOTEN HOSEN. Wäre ich eine Band, dann würde ich mir auch wünschen, dass er über mich schreibt. Seine Liebe zur hoffentlich allseits bekannten Düsseldorfer Punkband begann bei seinem ersten Konzert 1988. Ein kurz gefasster Aushang in der Schule führte ihn für 19,99 DM zum Glück. Seitdem kreuzen sich die Wege von ihm und den DIE TOTEN HOSEN immer wieder, entweder direkt oder über Bande durch Freunde und Bekannte. Mittlerweile selbstverständlich freundschaftlich verbunden und nicht unbekannterweise. Dabei hatte ihm der Verlag erst BRUCE SPRINGSTEEN angeboten, zugeordnet hätte ich ihm eher die Band TOCOTRONIC, dessen erste Texte ihm damals so vorkamen wie die Erfindung einer neuen Sprache.

Gib mir was Echtes

Das Buch von Thees Uhlmann über DIE TOTEN HOSEN ist bisher das Persönlichste aus der Reihe. Er schafft es, wirklich nachdrücklich zu vermitteln, wie und warum man über die Jahre echte und untrennbare Verbundenheit zu einer Band entwickelt. Fernab von jeglichen Floskeln huldigt er DIE TOTEN HOSEN, räumt ihnen immer mal wieder einen Platz in seinem Leben und seinen Gedanken ein. Wer die direkte Art des Norddeutschen kennt, weiß, dass in diesem Buch ganz sicher nicht blind geschleimt oder irgendetwas beschönigt wird. Uhlmann findet einige Songs der Punks einfach nicht gut und würde auch nicht jede seiner eigenen Entscheidungen – Stichwort Band Aid 2014 – genau so wieder treffen.

Auch er lobt die Crew von DIE TOTEN HOSEN in den höchsten Tönen. Das hat man jetzt schon so oft von unterschiedlicher Seite gehört, dass es einfach wahr sein muss. Rührend sind auch die Schilderung von seinem eigenen ersten Auftritt vor einem wirklich großen Publikum, den ihm DIE TOTEN HOSEN in ihrem Vorprogramme ermöglicht haben. Mittlerweile hilft er selbst Bands auf die Füße, gründete mit seinen Freunden Marcus Wiebusch und Reimer Burstorff (beide KETTCAR) das eigene Label Grand Hotel van Cleef.

DIE TOTEN HOSEN und der lokale Eisverkäufer

Ganz nebenbei ist DIE TOTEN HOSEN auch noch eine Art Mini-Biografie von Thees Uhlmann geworden. Er lässt zahlreiche Anekdoten aus seinem Privatleben einfließen, schweift manchmal herrlich ab und macht das Buch damit wahrhaftig. Es ist herzerwärmend, philosophisch und brüllend komisch formuliert. Und es kommt ohne unnötig verkomplizierte, aber sehr bildliche, Sprache aus. Dadurch erhalten auch Leser, die Thees Uhlmann bisher noch gar nicht kannten, einen guten Eindruck von seinen Meinungen und seinen Werten. Ganz nebenbei rüttelt er immer wieder an der aus Instagram-Filtern und Likes modellierten Scheinwelt. Er macht klar, dass ein uncooles, aber wahrhaftiges, (Erl-)Leben erstrebenswerter ist. Warum? Wahrscheinlich, weil Du nur einmal lebst.

Eine ausführliche Biografie von Thees Uhlmann wäre sicher ein Knaller, bestimmt möchten viele Leser über die Gründung der Kings Of Violence, die Reitmutter, seine nachdenklichen Stunden in seiner kleinen Küche oder die Telefonate mit seiner Mutter mehr erfahren.

Außerdem in der Kiwi-Musikbibliothek erschienen:
Anja Rützel über TAKE THAT
Sophie Passmann über FRANK OCEAN
Tino Hanekamp über NICK CAVE

Seiten: 192
Verlag: KiWi-Taschenbuch
ISBN-10: 3462053698
ISBN-13: 978-3462053692
VÖ: 10.10. 2019

Die Review zum aktuellen Album “Junkies und Scientologen” von THEES UHLMANN findet ihr hier.

Musikerbiografien interessieren Dich? Dann könnte “Let’s Go (So We Can Get Back) von Jeff Tweedy, dem Fronter von WILCO, interessant sein, die Review dazu findest Du hier.

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