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Thomas Montasser – Freitags um fünf – Review

„Freitags um fünf“ von Thomas Montasser lässt sich dank schmaler 160 Seiten flugs durchlesen. Kern der Geschichte ist der Ansatz einer modernen Parabel, in der ein Mädchen auf den amtierenden Bundeskanzler trifft und mit ihm regelmäßig Murmeln spielt. Dabei erdet sie ihn durch kluge Fragen, fokussiert ihn durch ihre kindliche Sicht auf das Wesentliche. Soweit in der Theorie. Tatsächlich hat der Autor viele Möglichkeiten liegenlassen und die Geschichte zu offensichtlich gestaltet.

Leider seicht und nicht wirklich inspirierend

„Freitags um fünf“ von Thomas Montasser scheint sich an Olaf Scholz als Kanzler zu orientieren. Das lässt sich erst vermuten und dann durch konkrete Namensnennungen und Zuschreibungen klar einordnen. Die Idee hinter der Geschichte ist natürlich, den Kanzler als naiv und das Mädchen als Stimme der Vernunft zu installieren. Die angespannte Lage hat die Geschichte längst überholt. Ein Bundeskanzler, der überfordert und gelangweilt vom Tagesgeschäft ist, ist eher beunruhigend. Der Kanzler ist begeistert vom Murmelspiel mit Emma, knipst sich immer wieder die Zeit ab, um „Freitags um fünf“ das Treffen einzuhalten.

Ein nicht nachvollziehbarer Kontakt

Die Unterhaltungen der beiden sind seicht, wenig inspirierend, beschäftigen den Kanzler aber nachhaltig. Montasser verwebt eigene gesellschaftspolitische Sichtweisen in die Erzählung. Er ordnet den Einstieg in „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner als tendenziell frauenfeindlich ein, schreibt vom syrischen Tierarzt, dessen Studium in Deutschland nicht anerkannt wird und bezeichnet den früheren Finanzminister als „Räuber Hotzenplotz“.

Hakeliges Bild

Emma wirkt leider etwas blass, man weiß zu wenig um ihre tatsächlichen Umstände. Es ist schwer nachzuvollziehen, warum sie den Kanzler bewegt und seine eigene Familie leider nicht. Letztlich wirkt „Freitags um fünf“ wie ein literarischer Versuch, der gute Absichten zeigt, aber zu wenig riskiert. In der Wahl des Protagonisten als Bundeskanzler hat sich Thomase Montasser vermutlich keinen Gefallen getan. Die Allegorie bleibt zu zahm, die Dialoge zu seicht. Wer Vergleichbares sucht, wird etwa bei John Streleckys „Das Café am Ende der Welt“ ein stimmigeres Gleichgewicht zwischen Botschaft und Erzählkunst finden.

Seiten: 160
Verlag: Wunderlich
ISBN-10: 3805201257
ISBN-13: 978-3805201254
VÖ: 12.08.2025

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