Vanessa Nakate sized Unser Haus steht laengst in Flammen

Vanessa Nakate – Unser Haus steht längst in Flammen: Warum Afrikas Stimme in der Klimakrise gehört werden muss – Review

Mit “Unser Haus steht längst in Flammen: Warum Afrikas Stimme in der Klimakrise gehört werden muss” schildert die Aktivistin Vanessa Nakate die Probleme aus ihrer Perspektive. Die Tatsache, dass sie bei einem Foto vom Weltwirtschaftsforum in Davos 2020 herausgeschnitten wurde, ist ein Paradebeispiel für das ständige Übergehen des Kontinents Afrika und die schon erschreckend beiläufige Diskriminierung von PoC.

Dabei sind Vanessa Nakate und die Menschen in ihrem direkten Umfeld bereits viel stärker und existentiell durch den Klimawandel betroffen, denn zusätzlich kommen noch Armut und eine deutlich schlechtere Struktur erschwerend hinzu. Eine verdorbene Ernte führt also nicht wie bei uns zu kurzfristig erhöhtem Import, sondern zu einem verhungernden Dorf.

We can’t eat coal and we can’t drink oil!

Als Vanessa Nakate nach ihrem Studium über einen Job beim Rotary International konkrete Informationen über den Klimawandel bekommt, ist für sie schnell klar, dass sie handeln muss. Selbst wenn sie das Vorbild von Greta Thunberg und anderen Aktivisten und Aktivistinnen schon hat, dann ist für sie doch nicht so einfach. Denn in ihrer Heimat wurden schon Menschen für weniger verhaftet und Mädchen oder Frauen stehen dort nicht einfach unbescholten alleine auf der Straße herum. Und sie halten schon gar kein Schild hoch, kritisieren die Regierung oder führen sich belehrend auf. Vanessa Nakate wagt es trotzdem, merkt aber schnell, dass ihr Protest mehr fruchtet, als sie beginnt Informationen über den Klimawandel und dessen Auswirkungen direkt in die Schulen zu tragen.

Das kommt gut an, stößt auf großes Interesse und ganz nebenbei löst sie noch andere, wichtige Probleme, die untrennbar mit dem Klimawandel zusammenhängen. Sie hält regelmäßig Vorträge, unter anderem über den Zustand des Kongobecken, da man sich bisher fast ausschließlich auf den Amazonas-Regenwald und dessen Rettung versteift. Dabei beheimatet das Kongobecken etwa ein Viertel der weltweit noch vorhandenen tropischen Regenwälder und dessen Zerstörung hat ebenfalls verheerende Auswirkungen. Sie gründet Initiativen, erreicht schnell Bekanntheit und vernetzt sich weltweit mit Menschen, die sie bei der Umsetzung von sinnvollen Projekten in ihrer Heimat unterstützen.

Mehr Aktion, weniger Reden

Vanessa Nakate verdeutlicht mit “Unser Haus steht längst in Flammen: Warum Afrikas Stimme in der Klimakrise gehört werden muss” wie ernst die Situation ist. Ihrer durchaus schon privilegierten Lage ist sie sich bewusst. Denn während die studiert hat, besucht ein Großteil der Kinder auf diesem Kontinent weiterhin keine Schule, es mangelt an Bildung und somit an dem Bewusstsein für die Umwelt und Zukunft.

Besonders ernüchternd sind die Beschreibung von sogenannten Green-Washing-Aktionen. Das sind Veranstaltungen oder Maßnahmen, die von Firmen nur halbherzig abgehalten werden, um Umweltbewusstsein verkaufsfördernd vorzutäuschen. Und natürlich taucht auch Coca Cola wieder als Negativbeispiel auf.

Man darf letztendlich nicht außer Acht lassen, was unsere eigenen Maßnahmen für andere Länder bedeuten könnten. Es ist nicht utopisch anzunehmen, dass ein Dieselfahrverbot in England dazu führt, dass die Fahrzeuge nach Afrika gebracht werden, um noch eine schnelle Mark zu machen. Die Umweltverschmutzung exportieren wir also kurzerhand gleich mit.

Vanessa Nakate schreibt klar, ausgewogen, emotional und faktisch. Sie belegt sehr penibel und betont trotzdem immer wieder, dass hinter diesen Zahlen Schicksale und echte Menschen stehen. “Unser Haus steht längst in Flammen: Warum Afrikas Stimme in der Klimakrise gehört werden muss” schließt mit einem Kapitel, mit praktischen Tipps, die sich teilweise sofort und leicht umsetzen lassen.

Seiten: 240
Verlag: Rowohlt
ISBN-10: 3499007630
ISBN-13:  978-3499007637
VÖ: 28.10.2021

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