Lest die Review zu "Gschnas" von VOODOO JÜRGENS bei krachfink.de

Voodoo Jürgens – Gschnas – Review

VOODOO JÜRGENS erzählt auf „Gschnas“ wieder Geschichten, und Deutschland versteht nur die Hälfte davon. So einfach kann man es sich machen, wenn man den massiven musikalischen Fortschritt sowie die mutigen Genre- und damit Grenzüberschreitungen ignorieren will. Die fünfte Platte des Liedermachers, Malers und Schauspielers David Öllerer aus Österreich ist deutlich verspielter und von ansteckender Wehmut getragen.

Komplett frei von Nostalgie strecken sich die Gefühle auf „Gschnas“ wieder nach früher aus, immer verbunden mit einem Drang nach dem Echten und Unverkrampften. Das ist auch der maßgebliche Tenor des Films „Rickerl – Musik is höchstens a Hobby“, in dem Öllerer die Hauptrolle spielt.

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Voodoo Jürgens, © Susanne Hassler-Smith

Mehr Schliff im Feindbild

Bisher waren die Platten von VOODOO JÜRGENS immer von Extremen geprägt. Beinahe clownhafte Kompositionen prallten auf todtraurige Lamenti oder zusammenhangslos wirkende Erzählungen. Fesselnd war alles, immer. Aber „Gschnas“ hat eine andere Qualität und wagt sich in neue musikalische Gefilde. VOODOO JÜRGENS scheint dem Soundbild deutlich mehr Zeit gewidmet zu haben. Die Musik ist nicht nur wandelbar, sondern auch bis ins kleinste Detail ausgearbeitet. Jedes einzelne Lied wirkt wie ein sorgfältig aus Einzelteilen zusammengesetztes Unikat.

„Vaschwindn“ flirtet wieder mit Indie und gibt sich leicht zu haben; die Verzahnung der Instrumente und die subtil den Text verstärkenden kreativen Ideen sind dabei maßgeblich. „De An und de Aundan“ ist ein humorvolles Abwägen von Für und Wider, eine Analyse dessen, dass es immer die Einen und die Anderen gibt. Der hüpfende Takt transportiert den ständigen Vorwärtsfluss des Lebens, dem man sich ohnehin nicht entziehen kann.

Vom Varieté in die gute Stube

„Taxitänzer“ klingt wie ein leicht verrauchtes, verruchtes Varieté um drei Uhr früh. Über sanft gebürstetem Jazzschlagzeug legen sich eine windschiefe Orgel, ein zwielichtiger Chor und eine bluestrunkene Gitarre; gemeinsam taumelt die Truppe durch das Lied. „Guade Stubn“ fällt aus dem Rahmen, die Bläser können die Ähnlichkeit zu „Hijo de la Luna“ kaum übertünchen. Im Refrain öffnet VOODOO JÜRGENS dann metaphorisch die Türen zur gemütlichen Stube, dem vermeintlichen Höhepunkt der anekdotischen Erzählungsflut. Der Titelsong greift die Realität auf, stülpt ihr eine Faschingsnase über und merkt erst dann, dass sie ohnehin schon Hasenohren trug. Der Wunsch nach mehr Farben, nach Watschen und schlichtweg die Sehnsucht nach einem Leben, das ausgelassener, gemeinschaftlicher und weniger hart ist.

Von Schlaflosigkeit und Zweifeln

Ein Höhepunkt von „Gschnas“ ist „Somnambulen“, ein mysteriös nach vorne watendes Lied über Schlaflosigkeit, das eine unwirkliche Atmosphäre verbreitet und den benommenen Zustand des Halbschlafs überzeugend evoziert. Das anschließende „Ka Ruah“ fokussiert sich dann auf jene Gedanken, die häufig mit Schlaflosigkeit einhergehen. Musikalisch wie inhaltlich scheint Öllerer diesen Zustand anzunehmen; beinahe friedlich und harmonisch schunkelt er uns durch die Zweifel.

„Gschnas“ von VOODOO JÜRGENS ist deshalb anders, weil es ernsthafter wirkt und sich deutlich stärker auf die Musik konzentriert. VOODOO JÜRGENS und seine talentierte Band, die auch ausschließlich aus Unikaten zu bestehen scheint, sind grandiose Musiker; nicht ohne Grund singt er live meistens mit geschlossenen Augen. Die Platte biedert sich nicht an, überzeugt aber gerade durch ihre Ausgewogenheit und den nochmals intensivierten Tiefgang.

Dauer: 39:00
Label: Sony
VÖ: 20.03.2026

Tracklist „Gschnas“ von VOODOO JÜRGENS
Langsam wirst ma fremd
Kassiber
Vaschwindn
De An und de Aundan
Taxitänzer
Da Dings
Guade Stubn
Gschnas
Da Zweifl
Somnambulen
Ka Ruah

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