Wheel Resident Human Artwork

Wheel – Resident Human – Review

Zwei Jahre nach ihrem Debüt kommen die Finnen von WHEEL mit ihrem neuen Album “Resident Human” um die Ecke. Prog-Metal und generell Songs von über 10 Minuten Länge, nimmt man ja nicht einfach so nebenbei auf. Dementsprechend sollte man dem Album einige Durchläufe gönnen, dann wird man schnell merken, dass der zweite Streich doch eingängiger als der erste geraten ist. Der Anker und das durchgehende Highlight sind der Gesang von James Lascelles, auch das dezente Abrücken von ehemaligen TOOL-Referenzen steht der Band deutlich besser zu Gesicht.

WHEEL, 2021, Foto von Ville Juurikkala

Auf der Jagd nach der untergehenden Sonne

Die Wut von WHEEL ist noch da, wird allerdings deutlich unterschwelliger transportiert als bisher und besonders Drummer Santeri Saksala glänzt dieses Mal mit Vielseitigkeit. Aber auch das Flirten von Bassist Aki Virta und dem neuen Gitarristen Jussi Turunen ist nicht zu verachten, die beiden behalten ganz klar die Deutungshoheit über jeden Song. Im über 12 Minuten langen Epos “Hyperion” spinnen sie die Fäden, als Team, in alle möglichen Richtung. Sie lassen den Song anschwellen, ausbrechen, hochfliegen, nageln ihn auf den Boden oder treiben ihn massiv nach vorne.

Während WHEEL sich hier auf die Sciene Fiction Reihe von Dan Simmons beziehen, widmet sich “Ascend” der populistischen Schwarz-Weiß-Rhetorik in öffentlichen Debatten und “Movement” richtet sich an die Black-Lives-Matter-Bewegung in USA. “Fugue” scheint sich in unten und oben zu teilen, dazwischen wird man als Hörer*in eingekeilt, schwerelos schwebend. WHEEL veranstalten hier richtig großes, kompositorisches Kino. Die einzelnen Instrumente scheinen sich gegenseitig die Töne wie einzelne Stützen eines komplexen Gerüsts zuzuwerfen. Nicht selten driftet die Band kurz in die Djent-Ecke, findet aber immer wieder zum klassischen Prog zurück.

Zeit für intensive Reflexion

Mit “Resident Human” konzentrieren sich WHEEL mehr auf das Wesentliche und finden zwangsläufig auch mehr zu sich. Nachdem Sänger Lascelle im letzten Sommer einen Burnout hinter sich gebracht hatte, fand er einen anderen Zugang zum Schreiben und bezeichnet die aktuellen Texte als seine besten. Wenn man die instrumentale Wucht verarbeitet hat und sich dem Inhalt widmen kann, kann man nur zustimmen. Man kann sich auf angenehme Weise leicht in dem Album verlieren und fühlt sich trotzdem von Grenzen beschützt. Wer weiß, ob dieses Konzept in den hoffentlich bald wieder regsameren Zeiten überhaupt aufgegangen wäre.

Dauer: 51:32
Label: OMN Label Services
VÖ: 26.03.2021

Tracklist “Resident Human” von WHEEL
Dissipating
Movement
Ascend
Hyperion
Fugue
Resident Human
Old Earth

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